Bei einer Linde
1826Seh ich dich wieder, du geliebter Baum, In dessen junge Triebe Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?
Wie anders ist seitdem der Äste Bug, Verwachsen und verschwunden Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug, Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!
Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du, Und nichts an mir wollt weilen, Doch meine Wunde wuchs - und wuchs nicht zu, Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.
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Interpretation
Das Gedicht "Bei einer Linde" von Joseph von Eichendorff handelt von der Erinnerung an eine vergangene Liebe und dem Vergleich des eigenen Lebens mit dem Wachstum eines Baumes. Der Sprecher sieht den geliebten Baum wieder und erinnert sich daran, wie er einst in jungen Trieben den Namen seiner ersten Liebe eingeschnitten hat. Der Baum dient als Symbol für die Vergänglichkeit der Zeit und die Veränderungen im Leben des Sprechers. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt, wie sich der Ast des Baumes seitdem verändert hat. Der einst zarte Zweig ist in den härteren Stamm eingewachsen und der eingeschnittene Name ist verschwunden. Diese Veränderung wird mit der Liebe des Sprechers und den schönen Stunden verglichen, die ebenfalls vergangen sind und nicht mehr zurückkehren werden. Der Sprecher erkennt an, dass er seitdem ebenfalls still gewachsen ist, aber im Gegensatz zum Baum ist seine Wunde nicht geheilt. Die Liebe und der Schmerz bleiben bestehen und werden wohl niemals mehr in diesem Leben heilen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen
- Metapher
- In dessen junge Triebe / Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum / Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe
- Personifikation
- Wie anders ist seitdem der Äste Bug, / Verwachsen und verschwunden / Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug
- Vergleich
- Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du