Bei einem Carneval
1708Das Spiel der Welt besteht aus Mummereien: Ein Hofmann schleicht in priesterlicher Tracht; Als Nonne winkt die Nymphe Schmeicheleien; Ein Wuchrer stutzt in eines Sultans Pracht; Der falsche Phrax erscheint im Schäferkleide; Als Bäurin stampft die zarte Flavia; Verblendend glänzt im stolzen Erbgeschmeide Atossa selbst, der Läufer Zulica; Als Fledermaus läßt Phryne sich nicht nennen, Auch Myrtis nicht, der bunte Papagei. O möchte man stets jedem sagen können: Dich, Maske, kenn′ ich; … nur vorbei!
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Interpretation
Das Gedicht "Bei einem Carneval" von Friedrich von Hagedorn thematisiert die Masken und Verkleidungen, die Menschen in der Gesellschaft tragen. Es beschreibt eine Welt, in der jeder eine Rolle spielt und sich hinter einer Fassade verbirgt. Der Dichter verwendet Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen, um diese Idee zu verdeutlichen. Im ersten Teil des Gedichts werden verschiedene Charaktere vorgestellt, die sich verkleiden oder eine Rolle spielen, die nicht ihrer wahren Natur entspricht. Ein Höfling schleicht in priesterlicher Tracht, eine Nymphe winkt als Nonne Schmeicheleien, ein Wucherer stutzt in der Pracht eines Sultans. Diese Beispiele zeigen, wie Menschen ihre wahre Identität verbergen und sich in Rollen hineinversetzen, die nicht ihrer eigentlichen Persönlichkeit entsprechen. Der zweite Teil des Gedichts setzt diese Idee fort und beschreibt weitere Verkleidungen und Masken. Atossa erscheint in stolzem Erbgeschmeide, der Läufer Zulica in einfacher Kleidung. Phryne und Myrtis verstecken sich hinter Tiermasken. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Maskerade nicht nur auf bestimmte soziale Schichten beschränkt ist, sondern ein allgemeines Phänomen der Gesellschaft darstellt. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Dichter den Wunsch aus, die wahre Identität hinter den Masken erkennen zu können. Er wünscht sich, jedem sagen zu können: "Dich, Maske, kenne ich." Dies impliziert den Wunsch nach Ehrlichkeit und Authentizität in einer Welt, die von Verstellung und Rollenspiel geprägt ist. Das Gedicht endet mit dem Ausruf "nur vorbei!", was darauf hindeutet, dass diese Maskerade nur von kurzer Dauer ist und eines Tages vorübergehen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stolzen Erbgeschmeide
- Kontrast
- Dich, Maske, kenn' ich; ... nur vorbei!
- Metapher
- Das Spiel der Welt besteht aus Mummereien
- Personifikation
- Verblendend glänzt im stolzen Erbgeschmeide Atossa selbst