Bei der Bestattung des Herzogs von Augustenburg
1863Volk, was tummelst du dich? »Der Herzog wird ja begraben! Hörst du die Glocken denn nicht? Laut genug hallen sie doch!« O, du glückliche Menge, dir kann es nimmermehr fehlen, Alles wird dir zum Fest, ganz, wie die Hochzeit, der Tod. Männer und Weiber, der Greis mit silberhaarigem Scheitel Und das quellende Kind dort auf dem Arme der Magd, Alle strömen herbei, sie wollen die stolzen Karossen Sehen, die Pferde im Putz und die Lakaien im Staat. Würde er selbst hier, der Tod, bestattet, und läge die Hippe Statt des Schwerts auf dem Sarg, welche uns alle bedroht, Bunter wäre es nicht und lustiger kaum, das Gefolge, Traun, sie blicken darein, wie es Unsterblichen ziemt. Jener Greis, er zählt sein Alter von Hundert herunter, Und da bleiben ihm noch zwanzig der Jahre, und mehr, Dieses Kind, es läßt gar von der Magd sich versprechen, Daß man ihm morgen zur Lust Kaiser und König begräbt. Ich nur sehe den Toten mit seinem geschlossenen Auge, Ich nur das lehmerne Bild, welches der Deckel verbirgt. Doch schon sehe auch ich ihn nicht mehr, dort lächelt ein Mädchen, Und es kommt mir so vor, daß sie mich kennt und mir winkt.
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Interpretation
Das Gedicht "Bei der Bestattung des Herzogs von Augustenburg" von Friedrich Hebbel beschreibt eine Beerdigung als ein öffentliches Spektakel, bei dem die Menschen eher ein Fest als eine Trauerfeier erleben. Die Glocken läuten, und das Volk strömt herbei, um die prunkvollen Karossen, die geschmückten Pferde und die Lakaien zu sehen. Der Tod wird als Teil des Lebens dargestellt, fast wie eine Hochzeit, bei der alle teilhaben und sich amüsierten. Der Dichter kritisiert die Oberflächlichkeit der Gesellschaft, die den Tod als Unterhaltung betrachtet, anstatt ihn als ernstes Ereignis zu würdigen. In der zweiten Strophe wird die Ironie noch deutlicher. Der Dichter stellt sich vor, dass selbst der Tod selbst begraben würde, und das Gefolge wäre nicht weniger bunt und lustig. Die Menschen blicken in den Sarg, als ob sie Unsterbliche wären, die den Tod nicht fürchten müssten. Ein Greis zählt sein Alter herunter und hat noch viele Jahre vor sich, während ein Kind sich auf weitere Begräbnisse freut. Der Dichter fühlt sich als einziger, der den Toten wirklich sieht und um ihn trauert, aber selbst er wird von einem lächelnden Mädchen abgelenkt, das ihm zuwinkt. Das Gedicht endet mit einer ambivalenten Note. Der Dichter ist zunächst der einzige, der den Toten mit seinen "geschlossenen Augen" und dem "lehmernen Bild" im Sarg wahrnimmt. Doch dann wird er selbst von der Oberflächlichkeit und der Ablenkung durch das Leben ergriffen. Das Mädchen, das ihm zuwinkt, symbolisiert das Leben und die Freude, die den Tod überstrahlt. Hebbel deutet an, dass selbst der nachdenklichste Mensch nicht vor der Anziehungskraft des Lebens und der Ablenkung durch die schönen Dinge bewahrt ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Und das quellende Kind dort auf dem Arme der Magd
- Hyperbel
- Jener Greis, er zählt sein Alter von Hundert herunter
- Ironie
- Dieses Kind, es läßt gar von der Magd sich versprechen, Daß man ihm morgen zur Lust Kaiser und König begräbt
- Metapher
- O, du glückliche Menge, dir kann es nimmermehr fehlen
- Personifikation
- Würde er selbst hier, der Tod, bestattet
- Symbolik
- Ich nur sehe den Toten mit seinem geschlossenen Auge
- Vergleich
- ganz, wie die Hochzeit, der Tod