Beherzigung

Johann Wolfgang von Goethe

1775

Ach, was soll der Mensch verlangen? Ist es besser, ruhig bleiben? Klammernd fest sich anzuhangen? Ist es besser, sich zu treiben? Soll er sich ein Häuschen bauen? Soll er unter Zelten leben? Soll er auf die Felsen trauen? Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle! Sehe jeder, wie ers treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, dass er nicht falle!

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Interpretation

Das Gedicht "Beherzigung" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die Ungewissheit des Lebens und die Frage nach dem richtigen Lebensweg. Der Sprecher reflektiert über die verschiedenen Möglichkeiten, wie man sein Leben gestalten kann, und zeigt dabei die Vor- und Nachteile jeder Option auf. Er stellt die Frage, ob es besser ist, ruhig zu bleiben und sich festzuhalten oder sich treiben zu lassen. Die Metapher des Häuschens und des Zeltes symbolisiert die verschiedenen Lebensweisen, wobei das Häuschen für Stabilität und das Zelt für Flexibilität steht. Doch selbst die festesten Felsen beben, was darauf hindeutet, dass es keine absolute Sicherheit im Leben gibt. Im zweiten Teil des Gedichts betont Goethe die Individualität und die Notwendigkeit, seinen eigenen Weg zu finden. Er sagt, dass es keine allgemeingültige Lösung gibt und jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss. Der Sprecher ermutigt dazu, den eigenen Weg zu gehen und zu sehen, wie es einem geht. Er betont auch die Bedeutung von Selbstreflexion und der Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Die letzte Zeile "Und wer steht, dass er nicht falle!" deutet darauf hin, dass es wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass man jederzeit fallen kann und dass man sich darauf vorbereiten sollte. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Selbstreflexion und der Notwendigkeit, seinen eigenen Weg zu finden. Es ermutigt dazu, sich nicht von äußeren Einflüssen leiten zu lassen und stattdessen auf die eigene Intuition und Erfahrung zu vertrauen. Das Gedicht erinnert uns daran, dass das Leben voller Ungewissheit ist und dass es keine perfekte Lösung gibt. Es ermutigt uns, uns auf die Reise zu begeben und zu sehen, wohin sie uns führt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Ach, was soll der Mensch verlangen? / Ist es besser, ruhig bleiben? / Klammernd fest sich anzuhangen? / Ist es besser, sich zu treiben?
Chiasmus
Sehe jeder, wie ers treibe, / Sehe jeder, wo er bleibe, / Und wer steht, dass er nicht falle!
Kontrast
Soll er sich ein Häuschen bauen? / Soll er unter Zelten leben?
Metapher
Soll er auf die Felsen trauen? / Selbst die festen Felsen beben.
Rhetorische Frage
Ach, was soll der Mensch verlangen? / Ist es besser, ruhig bleiben? / Klammernd fest sich anzuhangen? / Ist es besser, sich zu treiben?