Begräbnis eines verfemten Dichters
1857Wenn sich dumpf der Abend senkt Wird den Dichterleib, den starren, Einst ein Mann, der christlich denkt, Hinter altem Schutt verscharren.
Keusche Sterne schliessen sacht Ihre Augen schlafbezwungen, Spinne dort ihr Netzlein macht, Und die Viper ihre Jungen.
Nächtlich hörst zum Zeitvertreibe Über dem verfemten Leibe Du der wilden Wölfe Schrei′n
Und der Hexen tolle Weisen, Schlüpfrig Scherzen mit den Greisen, Schwarzer Schelme Gaunerein.
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Interpretation
Das Gedicht "Begräbnis eines verfemten Dichters" von Charles-Pierre Baudelaire thematisiert die verachtete und einsame Beerdigung eines Dichters, der zu Lebzeiten verfemt war. Der erste Vers beschreibt, wie der Dichterleib am Abend, dumpf und still, unter altem Schutt begraben wird. Dies symbolisiert die Ablehnung und das Desinteresse der Gesellschaft gegenüber dem Dichter und seinem Werk. Der zweite Vers verdeutlicht die Gleichgültigkeit der Natur gegenüber dem Schicksal des Dichters. Die Sterne schließen ihre Augen, die Spinne spinnt ihr Netz und die Viper bringt ihre Jungen zur Welt. All dies geschieht, ohne dass die Natur auf den verfemten Dichter eingeht oder Mitleid zeigt. Der dritte Vers verdeutlicht die nächtliche Stille und Einsamkeit des Dichters Grabes. Die wilden Wölfe heulen über dem verfemten Leichnam, was die Härte und Grausamkeit der Welt symbolisiert. Der letzte Vers beschreibt die Anwesenheit von Hexen und Gaunern, die über dem Grab des Dichters ihre Späße treiben. Dies verdeutlicht die Verachtung und den Spott, dem der Dichter auch im Tod ausgesetzt ist. Das Gedicht vermittelt somit eine düstere und melancholische Stimmung und verdeutlicht die Einsamkeit und Ablehnung, die der verfemte Dichter erfährt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Und der Hexen tolle Weisen
- Bildsprache
- Spinne dort ihr Netzlein macht
- Metapher
- Schwarzer Schelme Gaunerein
- Personifikation
- Keusche Sterne schliessen sacht