Begnüge dich, Liebste
1842An Eveline
Motto: Wohl kann ich dich zum Chokoladenladen laden, Doch nicht mit Dir in Baden-Baden baden.
Ich kann dir nicht, was andre schenken, schenken Und nicht die Welt aus den Gelenken lenken. Du darfst dich nicht auf Schmuck und Spitzen spitzen, Wirst nicht mit mir auf goldnen Sitzen sitzen, Jedoch, der ich des Dichters Habe habe, Vermag es, dass dich and′re Labe labe: Schon fühl′ ich es von Liederkeimen′ keimen, Ich will sie dir in gold′nen Reimen reimen, Dass dir gar lieblich ihr Getöne töne, Und dich der Verse Schmuck verschöne, Schöne.
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Interpretation
Das Gedicht "Begnüge dich, Liebste" von Heinrich Seidel handelt von den bescheidenen Möglichkeiten des lyrischen Ichs, seiner Geliebten etwas zu schenken. Das Motto verdeutlicht bereits, dass das lyrische Ich nicht in der Lage ist, seiner Liebsten luxuriöse Dinge wie einen Besuch im Schokoladenladen oder ein Bad in Baden-Baden zu ermöglichen. Stattdessen bietet es ihr seine dichterische Gabe an. Im Hauptteil des Gedichts führt das lyrische Ich aus, was es seiner Liebsten nicht geben kann: weder Schmuck und Spitzen noch einen Platz auf goldenen Sitzen. Doch als Dichter besitzt es eine andere Form von Reichtum. Es kann Lieder und Reime schaffen, die seiner Geliebten gefallen und sie verschönern. Das lyrische Ich möchte seiner Liebsten durch seine Dichtkunst eine andere Art von Freude und Schönheit bereiten. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der Bescheidenheit und der Wertschätzung für die inneren Werte. Es zeigt, dass materieller Reichtum nicht alles ist und dass die Gabe des Dichters, durch Worte zu berühren und zu verschönern, einen unschätzbaren Wert hat. Das lyrische Ich bittet seine Geliebte, sich mit dem zu begnügen, was es ihr geben kann, und verspricht ihr, durch seine Dichtkunst eine einzigartige und kostbare Freude zu bereiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung von Konsonanten am Anfang von Wörtern, wie in 'Labe labe' und 'Reimen reimen'.
- Bedingung
- Die Verwendung von 'jedoch' und 'wenn' impliziert eine Bedingung, die den Wechsel von dem, was nicht möglich ist, zu dem, was möglich ist, einleitet.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen dem, was der Sprecher nicht geben kann ('Schmuck und Spitzen', 'goldnen Sitzen') und dem, was er bieten kann ('Lieder', 'goldene Reime').
- Metapher
- Die Verwendung von 'Liederkeimen' als Metapher für die Entstehung von Liedern oder Gedichten.
- Personifikation
- Die Verleihung menschlicher Eigenschaften an abstrakte Konzepte, wie in 'Verse Schmuck verschöne', wo die Verse als etwas beschrieben werden, das verschönern kann.
- Reimschema
- Das Gedicht verwendet ein konsistentes Reimschema (AABB), was sich in Zeilen wie 'schenken' und 'lenken' sowie 'spitzen' und 'sitzen' zeigt.