Beethoven
1921Es traf mein Ohr ein Machtposaunenton, Ich sprang zu dem, was meine Sinne hörten: Es war, als wenn wo Saurushirsche röhrten, Es war so seltsamgroßer Grollerton – Da stand Er! stand ein Mann auf höchster Spitze! Da blies Er, mächtig, mächtig wie voll Zorn Vom lichtgehüllten Wolkendonnersitze, – Mein Hirn war ob des Wunders ganz verworrn – Ich lag mit offnem Munde Am tiefen, tiefen Grunde – Der Ton noch dicker quoll und schwoll und schwoll: Mein Grund fing langsam an zu wanken, Der Wolkenmensch dort oben blies wie toll, Ein Zittern hob des Berges Flanken Und schwarze Wolken krallten sich hochoben fest Und Sturm begann am Fels zu wühlen, Als wollte er den Mann Von seiner Riesenkanzel spülen, Und alles Licht ward jäh vom Dunkel fortgepreßt, Und drohend rührten sich die Donnertrommeln – Doch fest stand hoch der Weltentöneschichter: Er brüllte rasendlauter durch den Trichter – Noch grauser schwoll das finstre Rommeln – Der Riese aber blies – Da brach am Berg der erste Donnerkrach, Und Ein Blitz sprang ihm nach Und hieb Den Mann vom Felsen! Die Tuba sprang Der Himmel sprang Das Allgeschrei in Nacht ertrank – – Ich weiß nicht mehr, wo alles blieb.
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Interpretation
Das Gedicht "Beethoven" von Gerrit Engelke beschreibt eine dramatische Szene, in der der Erzähler von einem mächtigen Ton, der an eine Posaune erinnert, überrascht wird. Dieser Ton führt ihn zu einem Mann, der auf der höchsten Spitze steht und wie von Wut erfüllt in den Himmel bläst. Die Atmosphäre ist von einer Mischung aus Ehrfurcht und Verwirrung geprägt, während der Erzähler am Grund des Berges liegt und den sich steigernden Ton beobachtet. Die Szene eskaliert, als der Mann weiterhin in seine Tuba bläst und die Umgebung immer heftiger reagiert. Der Berg beginnt zu wanken, die Wolken krallen sich fest, und ein Sturm wütet am Fels. Trotz der drohenden Gefahr bleibt der Mann standhaft und bläst immer lauter, bis schließlich der erste Donnerschlag den Berg erschüttert und ein Blitz den Mann vom Felsen schlägt. Die Tuba, der Himmel und das gesamte Getöse versinken in der Nacht, und der Erzähler verliert das Bewusstsein für das Geschehen. Das Gedicht kann als Metapher für das Leben und Werk Ludwig van Beethovens interpretiert werden. Der Mann auf der Spitze des Berges symbolisiert Beethoven, der trotz seiner Taubheit und der Herausforderungen, die das Leben ihm stellte, unermüdlich seine Musik in die Welt hinausblies. Der Donnerschlag und der Blitz, die den Mann vom Felsen schlagen, könnten Beethovens Tod darstellen, der das Ende seines Lebens und seiner musikalischen Schöpfungen markiert. Die dramatische und kraftvolle Sprache des Gedichts spiegelt die Intensität und den Einfluss von Beethovens Musik wider, die bis heute nachhallt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mächtig, mächtig wie voll Zorn
- Bildsprache
- Die Tuba sprang Der Himmel sprang Das Allgeschrei in Nacht ertrank
- Enjambement
- Ich sprang zu dem, was meine Sinne hörten: Es war, als wenn wo Saurushirsche röhrten
- Hyperbel
- Er brüllte rasendlauter durch den Trichter
- Metapher
- Es traf mein Ohr ein Machtposaunenton
- Onomatopoesie
- Donnerkrach
- Personifikation
- Der Wolkenmensch dort oben blies wie toll
- Symbolik
- Ein Blitz sprang ihm nach
- Vergleich
- Es war, als wenn wo Saurushirsche röhrten