Baum

Ferdinand Hardekopf

1876

Zerdachter Turm, Runenfels, Furchensäule, Gerieftes Bewusstsein: Wagst Weite und Wolken, wie du willst, Dich splitternd in die Nuancen, In die Scheine deiner Dunkelheit. Welchem Geiste gelänge solche Verzweigung, Welcher Weisheit solche Verästelung, Welchem Raffinement solche Zerblätterung? Baum! In zitternde Strahlen zerlegst du Deine Nervosität. Aber deine Äste leimt zart Sphärenblauer Eiter des Mittags, zerschichtet von den kupfer-goldnen Telegraphenhaaren der Spinne. Sehr absichtlich trägst du Efeu, modernes Moos und die auffallende Lyrik einiger Vögel. … Doch, bitte, Bäume dich, Und wehre dem Einkleid, Zu bedrohen Deine Différenciation.

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Illustration zu Baum

Interpretation

Das Gedicht "Baum" von Ferdinand Hardekopf ist eine tiefgründige und metaphorische Betrachtung der Natur und des Wachstums eines Baumes. Der Autor verwendet eine Vielzahl von Bildern und Vergleichen, um die Komplexität und Schönheit des Baumes zu beschreiben. Im ersten Teil des Gedichts werden verschiedene Metaphern verwendet, um die Struktur des Baumes zu beschreiben. Der Baum wird als "zerdachter Turm", "Runenfels", "Furchensäule" und "gerieftes Bewusstsein" bezeichnet. Diese Metaphern deuten auf die Festigkeit, Tiefe und Komplexität des Baumes hin. Der Baum wagt sich in die Weite und Wolken, und seine Rinde spaltet sich in Nuancen und Schattierungen seiner Dunkelheit. Der Autor fragt sich, welcher Geist, welche Weisheit oder welches Raffinement in der Lage wäre, eine solche Verzweigung, Verästelung und Zerblätterung zu erreichen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Nervosität des Baumes beschrieben, die sich in zitternde Strahlen auflöst. Die Äste des Baumes werden mit "sphärenblauem Eiter des Mittags" und "kupfer-goldnen Telegraphenhaaren der Spinne" verglichen. Diese Bilder vermitteln die Zartheit und Verletzlichkeit des Baumes, aber auch seine Fähigkeit, Schönheit und Poesie zu tragen, wie durch den Efeu, das moderne Moos und die auffallende Lyrik einiger Vögel. Im letzten Teil des Gedichts appelliert der Autor an den Baum, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von äußeren Einflüssen bedrohen zu lassen. Der Baum soll sich "bäumen" und sich gegen das "Einkleid" wehren, das seine Differenzierung bedroht. Diese Aufforderung kann als eine Metapher für die Notwendigkeit verstanden werden, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von äußeren Einflüssen beeinflussen zu lassen.

Schlüsselwörter

solche welchem zerdachter turm runenfels furchensäule gerieftes bewusstsein

Wortwolke

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Stilmittel

Imperativ
Bäume dich
Metapher
Zu bedrohen Deine Différenciation
Personifikation
Gerieftes Bewusstsein
Rhetorische Frage
Welchem Geiste gelänge solche Verzweigung, Welcher Weisheit solche Verästelung, Welchem Raffinement solche Zerblätterung?