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Bauchweh

Von

Die Därme wälzen sich im Kampfe;
es zuckt der Leib im Magenkrampfe:
die Welt ist schlecht, – die Welt ist schlecht.
Daß die der Herr im Zorn zerstampfe!
Daß sie verpuffe und verdampfe! –
So wär′ es recht! – So wär′ es recht!

Angst ist das Leben und Beschwerde;
der Mensch, er sitzt am Schmerzensherde
im Weltenbauch, – im Weltenbauch.
In qualzerrissener Gebärde
krümmt sich der Bauch der Welt, der Erde, –
und meiner auch. – Und meiner auch.

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Gedicht: Bauchweh von Erich Kurt Mühsam

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Bauchweh“ von Erich Mühsam ist eine kurze, aber intensive Beschreibung eines körperlichen Unwohlseins, die auf eindringliche Weise mit einer Weltsicht von Leid und Verzweiflung verbunden wird. Der Autor nutzt die Metapher der Magenschmerzen, um eine tiefgreifende Unzufriedenheit mit der Welt und der menschlichen Existenz auszudrücken. Die Verwendung von Reimschemata und einer einfachen Sprache verleiht dem Gedicht eine beinahe volksliedhafte Qualität, die die emotionale Wucht der Verse noch verstärkt.

Die ersten sechs Zeilen beschreiben das körperliche Unbehagen. Die „Därme wälzen sich im Kampfe“ und „es zuckt der Leib im Magenkrampfe“ sind deutliche Bilder für Schmerzen und Unruhe. Diese körperliche Qual wird sofort mit einer Verurteilung der Welt verbunden: „Die Welt ist schlecht, – die Welt ist schlecht.“ Der Ausruf der Wut und Verzweiflung, der mit „Daß die der Herr im Zorn zerstampfe!“ beginnt, drückt den Wunsch nach Zerstörung und Auslöschung der Welt aus. Diese Zeilen zeigen eine tiefe Ablehnung der bestehenden Ordnung und eine Sehnsucht nach Erlösung, selbst wenn diese durch Vernichtung erreicht werden muss.

Der zweite Teil des Gedichts erweitert die thematische Ebene und verbindet das individuelle Leiden mit dem universellen Schmerz. „Angst ist das Leben und Beschwerde“ verdeutlicht die pessimistische Weltsicht Mühsams, der das Leben als eine Quelle von Qual und Leiden betrachtet. Der Mensch wird als ein Wesen gesehen, das am „Schmerzensherde“ sitzt, eingebettet in den „Weltenbauch“. Diese Metapher suggeriert, dass die Welt selbst krank und leidend ist, und dass der Mensch Teil dieses Leidens ist.

Die abschließenden Verse verknüpfen das individuelle Leiden mit dem der Welt. „In qualzerrissener Gebärde krümmt sich der Bauch der Welt, der Erde“ bildet ein kraftvolles Bild des Schmerzes, das das körperliche Unwohlsein des Dichters auf die gesamte Welt überträgt. Die letzte Zeile „und meiner auch. – Und meiner auch“ verbindet das persönliche Leid des Autors untrennbar mit dem des Kosmos, wodurch die universelle Gültigkeit der Aussage betont wird. Es ist ein Ausdruck der Solidarität im Schmerz, ein Eingeständnis der Verbundenheit allen Leidens. Mühsam schafft es, durch die einfache Sprache und die kraftvollen Bilder eine Welt voller Schmerz und Verzweiflung zu erschaffen, in der das individuelle Leid untrennbar mit dem der Welt verbunden ist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.