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Barrikadenklänge

Von

Warum mein Herz nicht freudig schlägt
Zu all′ dem Jubel, diesen Festen?
Mir ist′s wie Ahnung stumm bewegt,
Ich traure mit des Volkes Besten.

Denn wer um Freiheit muthig rang,
Noch kann er sich zum Fest nicht laden;
Ein Kämpfer steht er, ernst und bang
An den Gedanken-Barrikaden.

Und trägt ihn noch, den schwarzen Flor,
Den er der alten Schmach getragen,
Und sieht in einem Meteor
Noch keine Sonne wieder tagen.

Wer in das Blut, das für ihn rann,
Sein Tuch, das thränenfeuchte, tauchte,
Auf diese rothe Fahne dann
Der Freiheit heiße Schwüre hauchte:

Der harret aus. Noch ist es nicht
Gelöst, das alte Mißverständniß,
Das Jahrelang dem neuen Licht
Verschlossen blieb – der Welterkenntniß.

Der reicht mit kindischem Vertrau′n
Die Siegerhand nicht hin versöhnend,
So lange noch herniederschau′n
Die alten Götzenbilder höhnend.

So lange noch ein Pferchsystem
Geschmiedet wird den Nationen,
Der Völker heiligstes Problem:
Der Herrschsucht Mühsal zu belohnen.

So lange Macht das Losungswort
In dem politischen Capitel,
So lange nicht die Hand verdorrt,
Die frech auslangt nach Kron′ und Titel.

Kein deutsches Reich, nicht Schwarz, Roth, Gold!
O werft das Spielzeug aus den Händen.
Blickt in die Zukunft! drohend grollt
Der Himmel und wird Blitze senden.

Ein neues Reich, loh angefacht
Von segenbringenden Gewittern
Wird, eh′ der neue Tag erwacht,
Die alte deutsche Nacht durchzittern.

Schon fühl′ ich sein begeisternd Weh′n
Wie eines Gottes große Mahnung,
Den Sturm gewaltiger Ideen
In heiliger Sybillen-Ahnung.

Ich fühle: Ja, ein neu Panier
Wird Deutschlands Volk einst siegreich schwingen:
Der Menschheit Einendes Panier
Wird Allen die Erlösung bringen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Barrikadenklänge von Louise Franziska Aston

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Barrikadenklänge“ von Louise Franziska Aston ist eine politische Reflexion, die sich kritisch mit der politischen Lage nach den Revolutionen von 1848 auseinandersetzt und eine Vision einer zukünftigen, gerechteren Gesellschaft entwirft. Die Autorin drückt in eindringlichen Bildern ihre Skepsis gegenüber dem Jubel und den Festen aus, die auf die gescheiterten Revolutionen folgten, und betont die anhaltende Ungerechtigkeit und das Leid, das noch immer in der Gesellschaft existiert.

Das Gedicht ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die verschiedene Aspekte der politischen Situation beleuchten. Aston beklagt das Schicksal der Kämpfer, die für die Freiheit gekämpft haben, und die anhaltende Trauer über die vergangene Schmach. Sie kritisiert die alten Machtstrukturen und das Missverständnis, das zwischen den Machthabern und den Menschen herrscht. Die Verwendung von Bildern wie „Barrikaden“, „schwarzer Flor“ und „Götzenbilder“ unterstreicht die andauernde Auseinandersetzung und die Notwendigkeit, die alten Hindernisse zu überwinden, bevor eine wahre Freiheit erreicht werden kann. Die Autorin verweist auf die Kämpfe, die noch geführt werden müssen, und die Bedeutung der Wahrung der Ideale der Revolution.

Aston wendet sich dann den zukünftigen Visionen zu, und zwar in Form einer Prophezeiung. Sie glaubt nicht an ein deutsches Reich, das durch nationale Symbole wie Schwarz, Rot und Gold definiert wird, sondern an eine Zukunft, die von einem neuen Ideal der Menschheit getragen wird. Dieses „neue Reich“ wird durch „sägenbringende Gewitter“ angefacht, ein Bild, das sowohl Zerstörung als auch Erneuerung impliziert. Das Gedicht gipfelt in der Vision eines neuen „Panier“, einer Fahne der Menschheit, die allen die Erlösung bringen wird. Dies deutet auf ein starkes Engagement für universelle Werte und eine Vision einer gerechteren Welt hin, die über nationale Grenzen hinausgeht.

Die Sprache des Gedichts ist pathetisch und leidenschaftlich, passend zur politischen Thematik und dem Geist der Zeit. Aston verwendet Metaphern und Bilder, um ihre Botschaft zu verstärken und die Dringlichkeit ihrer Kritik und ihrer Vision zu vermitteln. Die Verwendung von Fragen und direkten Appellen an die Leser verdeutlicht ihren Wunsch, ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten zu schaffen und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu wecken. Die Verwendung von Begriffen wie „Götzenbilder“ und „Pferchsystem“ zeigt ihre Ablehnung der alten Strukturen und ihre Forderung nach einem grundlegenden Wandel in der Gesellschaft.

Insgesamt ist „Barrikadenklänge“ ein Ausdruck der Enttäuschung über die Ergebnisse der Revolutionen von 1848 und ein leidenschaftlicher Aufruf für eine Zukunft, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit die Grundpfeiler der Gesellschaft sind. Es ist ein Gedicht, das die Ideale der Revolution am Leben erhält und gleichzeitig eine Vision einer zukünftigen Welt entwirft, die von Frieden und Gleichheit geprägt ist.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.