Barbarazweige
1839Am Barbaratage holt′ ich Drei Zweiglein vom Kirschenbaum, Die setzt′ ich in eine Schale, Drei Wünsche sprach ich im Traum:
Der erste, daß einer mich werbe, Der zweite, daß er noch jung, Der dritte, daß er auch habe Des Geldes wohl genung.
Weihnachten vor der Mette Zwei Stöcklein nur blühten zur Frist: - Ich weiß einen armen Gesellen, Den nähm′ ich, wie er ist.
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Interpretation
Das Gedicht "Barbarazweige" von Martin Greif erzählt von einem traditionellen Brauch, bei dem am Barbaratag Kirschenzweige ins Wasser gestellt werden, um zu Weihnachten zu blühen. Die Erzählerin holt drei Zweiglein vom Kirschbaum und verbindet diesen Brauch mit drei Wünschen, die sie im Traum ausspricht. Diese Wünsche sind materialistischer und pragmatischer Natur: Sie hofft auf einen Freier, der jung und wohlhabend ist. Die Verbindung von Naturbeobachtung und persönlichem Wunschdenken spiegelt den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit wider. Die Erwartungshaltung der Erzählerin wird jedoch enttäuscht, da nur zwei der drei Zweige zur Weihnachtszeit blühen. Diese unvollständige Blüte symbolisiert die Ungewissheit und Unvollkommenheit des Lebens. Trotz der anfänglichen materialistischen Wünsche zeigt die Erzählerin am Ende eine Wandlung. Sie erkennt, dass äußere Umstände wie Reichtum und Jugend nicht alles sind und entscheidet sich für einen "armen Gesellen", wie er ist. Dies deutet auf eine Reifung und eine Hinwendung zu inneren Werten hin. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft über die Vergänglichkeit von Wünschen und die Wichtigkeit von Akzeptanz und inneren Werten. Die Erzählerin lernt, dass wahre Erfüllung nicht in materiellen Gütern liegt, sondern in der Bereitschaft, den Menschen so zu nehmen, wie er ist. Die Natur, symbolisiert durch die Barbarazweige, dient als Spiegel für die innere Entwicklung der Erzählerin und unterstreicht die tiefe Verbundenheit zwischen menschlichen Wünschen und den Zyklen der Natur.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Weihnachten vor der Mette Zwei Stöcklein nur blühten zur Frist
- Kontrast
- Der erste, daß einer mich werbe, Der zweite, daß er noch jung, Der dritte, daß er auch habe Des Geldes wohl genung
- Metapher
- Drei Zweiglein vom Kirschenbaum
- Realismus
- Ich weiß einen armen Gesellen, Den nähm′ ich, wie er ist
- Symbolik
- Barbarazweige als Symbol für Hoffnung und Wünsche
- Wunschdenken
- Drei Wünsche sprach ich im Traum