Barbara Allen

Theodor Fontane

1875

Es war im Herbst, im bunten Herbst, Wenn die rotgelben Blätter fallen, Da wurde John Graham vor Liebe krank, Vor Liebe zu Barbara Allen.

Seine Läufer liefen hinab in die Stadt Und suchten, bis sie gefunden: »Ach, unser Herr ist krank nach dir, Komm, Lady, und mach′ ihn gesunden.«

Die Lady schritt zum Schloß hinan, Schritt über die marmornen Stufen, Sie trat ans Bett, sie sah ihn an: »John Graham, du ließest mich rufen.«

»Ich ließ dich rufen, ich bin im Herbst, Und die rotgelben Blätter fallen - Hast du kein letztes Wort für mich? Ich sterbe, Barbara Allen.«

»John Graham, ich hab′ ein letztes Wort, Du warst mein all und eines; Du teiltest Pfänder und Bänder aus, Mir aber gönntest du keines.

John Graham, und ob du mich lieben magst, Ich weiß, ich hatte dich lieber, Ich sah nach dir, du lachtest mich an Und gingest lachend vorüber.

Wir haben gewechselt, ich und du, Die Sprossen der Liebesleiter, Du bist nun unten, du hast es gewollt, Ich aber bin oben und heiter.«

Sie ging zurück. Eine Meil′ oder zwei, Da hörte sie Glocken schallen; Sie sprach: »Die Glocken klingen für ihn, Für ihn und für - Barbara Allen.

Liebe Mutter, mach ein Bett für mich, Unter Weiden und Eschen geborgen; John Graham ist heute gestorben um mich, Und ich sterbe um ihn morgen.«

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Illustration zu Barbara Allen

Interpretation

Das Gedicht "Barbara Allen" von Theodor Fontane erzählt die tragische Liebesgeschichte zwischen John Graham und Barbara Allen. Im bunten Herbst wird John Graham krank vor Liebe zu Barbara Allen. Seine Boten suchen sie in der Stadt und bitten sie, zu ihm zu kommen und ihn gesund zu machen. Barbara Allen geht zum Schloss, tritt ans Bett von John Graham und erinnert ihn daran, dass er sie gerufen hat. John Graham bittet Barbara Allen um ein letztes Wort, da er im Herbst stirbt und die Blätter fallen. Barbara Allen erinnert ihn daran, dass er ihr zwar alles gab, aber ihr nichts schenkte. Sie sagt, dass sie ihn mehr liebte als er sie, und dass sie ihn ansah, er aber lachend an ihr vorbeiging. Sie erklärt, dass sie die Sprossen der Liebesleiter getauscht haben, er nun unten ist und sie oben und heiter. Barbara Allen geht zurück, hört aber nach einer Meile oder zwei Glocken läuten. Sie spricht, dass die Glocken für John Graham und für sie läuten. Sie bittet ihre Mutter, ihr ein Bett unter Weiden und Eschen zu machen, da John Graham heute um sie gestorben ist und sie morgen um ihn sterben wird. Das Gedicht endet mit dem tragischen Schicksal der beiden Liebenden, die durch ihre unerfüllte Liebe zugrunde gehen.

Schlüsselwörter

john graham herbst liebe barbara allen rotgelben blätter

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wenn die rotgelben Blätter fallen
Anapher
Liebe Mutter, mach ein Bett für mich
Hyperbel
Ich sterbe, Barbara Allen
Kontrast
Ich aber bin oben und heiter
Metapher
Die Sprossen der Liebesleiter
Personifikation
Seine Läufer liefen hinab in die Stadt
Symbolik
Unter Weiden und Eschen geborgen
Wiederholung
John Graham, du ließest mich rufen