Bannerspruch

Ferdinand Freiligrath

unknown

Zur Einleitung des dritten Jahrgangs des Phönix.

Das Horn erscholl, der Renner scharrte! So laß uns denn zu Felde ziehn! Aufs Neue schwing´ ich die Standarte, Die deine Farben läßt erglühn! Und nenne Keiner mich verwegen, Wer so vor deiner Schaar mich schaut: Es wird ja stets dem jüngsten Degen Des Banners Obhut anvertraut!

Ich lasse meinen Ruf erklingen, Gewappnet, Duller, wie ich bin! Ein Reich ja gilt es zu erringen Der Menschheit, unsrer Königin! Ein Reich, um welches sie noch heute Von Thränen und von Blute trieft; Doch dessen Throne nach dem Streite Ein inn´res Ahnen ihr verbrieft!

Ein Reich, von dem ich oft gestammelt Und es gesehen auch im Traum. Die Völker hatten sich versammelt Um einen einz´gen Lebensbaum. Da war kein Schelten und kein Toben Und keiner eitlen Rede Brunst; Ich sah´ ein Band, das war gewoben Aus Glaube, Freiheit, Wissen, Kunst.

Sie brachten Alle, was sie hatten, Voll Eintracht Einem Weihaltar; Wie Brüder sah ich auf den Matten Gelagert diese große Schaar. Und wie die Taube über Lämmern Sich wiegt in Lüften, also schier Sah milde durch der Zeiten Dämmern Die Lieb´ ich schweben über ihr.

Das ist das Reich, nach dem wir streben; Und ist auch unser Häuflein schwach: Wir haben Kämpfer vor und neben, Und immer neue wachsen nach! Die ganze Menschheit Eine Heerde - O, nur gerungen und geglaubt! Es frommt ihr jede Hand breit Erde, Die der Gemeinheit wir geraubt!

Im Kampfe nur erblühn uns Kränze! Drum laß uns sein, wie der Kroat, Der auf Illyriens Kriegergrenze Dem Boden anvertraut die Saat; Der, als ein Kriegesmann gerüstet, Den Weizen in die Furche streut, Und, wenn sein Schwert den Türken lüstet, Schlagfertig dasteht allezeit!

Der, wenn er kehrt von seinen Zügen, Beherzt und freudig, wie er schied, Der Scholle dunklem Schooß entstiegen Des jüngsten Lenzes Aussaat sieht; Der friedlich jetzt, sein Korn zu mähen, Die Sense statt des Säbels schwingt, Und zwischen Ernten, Kämpfen, Säen, Sein Leben ruhelos verbringt!

Ich fühl´s an meines Herzens Pochen: Auch uns wird reifen unsre Saat! Es ist kein Traum, was ich gesprochen, Und jener Völkermorgen naht! Ich seh´ ihn leuchten durch die Jahre; Ich glaube fest an seine Pracht; Entbrennen wird der wunderbare, Und nimmer kehren wird die Nacht!

Wir aber reiten ihm entgegen; Wohl ist er werth noch manchen Strauß. Wirf aus die Körner, zieh´ den Degen; Ich breite froh das Banner aus! Mit festen Händen will ich´s halten; Es muß und wird im Kampf bestehn; Die Hoffnung rauscht in seinen Falten, Und Hoffnung läßt nicht untergehn!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Bannerspruch

Interpretation

Das Gedicht "Bannerspruch" von Ferdinand Freiligrath ist eine leidenschaftliche Ode an den Kampf für eine bessere Zukunft der Menschheit. Der Dichter sieht sich selbst als jüngsten Degen, dem das Banner anvertraut ist, und ruft zur Einheit und zum Kampf für ein Reich der Menschheit auf. Dieses Reich wird als ein Ort der Eintracht, des Friedens und der kulturellen Blüte beschrieben, wo alle Völker vereint sind und gemeinsam an einem Weihaltar der Menschlichkeit opfern. Freiligrath verwendet starke Bilder und Metaphern, um seine Vision zu vermitteln. Der Vergleich des Dichters mit einem kroatischen Krieger, der zwischen Säen und Kämpfen sein Leben verbringt, unterstreicht die Notwendigkeit des ständigen Kampfes und der Hoffnung. Die Hoffnung selbst wird als eine Kraft dargestellt, die nicht untergehen wird, und die das Banner des Dichters durch den Kampf tragen wird. Das Gedicht endet mit einem kraftvollen Aufruf zum Handeln. Der Dichter fordert dazu auf, die Körner auszuwerfen und den Degen zu ziehen, was symbolisch für die Kombination von friedlichen und kämpferischen Mitteln steht. Die Hoffnung, die in den Falten des Banners rauscht, wird als unbesiegbar dargestellt und gibt dem Dichter die Kraft, das Banner festzuhalten und den Kampf fortzusetzen.

Schlüsselwörter

reich kein sah laß neue läßt keiner schaar

Wortwolke

Wortwolke zu Bannerspruch

Stilmittel

Metapher
Hoffnung
Personifikation
Das Horn erscholl
Symbolik
Die Standarte, Die deine Farben läßt erglühn