Banalitäten aus dem Chinesischen

Kurt Schwitters

1922

Fliegen haben kurze Beine. Eile ist des Witzes Weile. Rote Himbeeren sind rot. Das Ende ist der Anfang jeden Endes. Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs. Banalität ist jeden Bürgers Zier. Das Bürgertum ist aller Bürger Anfang. Bürger haben kurze Fliegen. Würze ist des Witzes Kürze. Jede Frau hat eine Schürze. Jeder Anfang hat sein Ende. Die Welt ist voll von klugen Leuten. Kluge ist dumm. Nicht alles, was man Expressionismus nennt, ist Ausdruckskunst. Kluge ist immer noch dumm. Dumme ist klug. Kluge bleibt dumm.

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Illustration zu Banalitäten aus dem Chinesischen

Interpretation

Das Gedicht "Banalitäten aus dem Chinesischen" von Kurt Schwitters präsentiert eine Reihe von scheinbar einfachen, aber tiefgründigen Aussagen. Es beginnt mit banalen Beobachtungen wie "Fliegen haben kurze Beine" und "Rote Himbeeren sind rot", die den Leser in eine Welt der Alltäglichkeit einführen. Doch schnell wird klar, dass Schwitters mit diesen Aussagen mehr als nur Oberflächliches vermitteln möchte. Die Wiederholungen und Paradoxien, wie "Das Ende ist der Anfang jeden Endes" und "Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs", fordern den Leser auf, über die zyklische Natur von Leben und Existenz nachzudenken. Im weiteren Verlauf des Gedichts setzt Schwitters seine Erkundung von Banalität und Weisheit fort. Die Zeilen "Banalität ist jeden Bürgers Zier" und "Das Bürgertum ist aller Bürger Anfang" deuten auf eine Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft hin, die oft Oberflächlichkeit über Tiefe stellt. Die abschließenden Zeilen, in denen "Kluge" als "dumm" bezeichnet wird und "Dumme" als "klug", spielen mit der Idee, dass wahre Weisheit oft in dem liegt, was auf den ersten Blick als naiv oder banal erscheint. Schwitters fordert den Leser auf, über konventionelle Vorstellungen von Intelligenz und Dummheit hinauszudenken. Insgesamt ist "Banalitäten aus dem Chinesischen" ein nachdenkliches Werk, das den Leser dazu anregt, die Welt um sich herum mit neuen Augen zu betrachten. Durch die Verwendung von scheinbar einfachen Aussagen und paradoxen Wendungen schafft Schwitters eine tiefere Reflexion über die Natur von Weisheit, Banalität und menschlicher Existenz. Das Gedicht lädt den Leser ein, über die Oberfläche hinauszugehen und die verborgenen Wahrheiten zu entdecken, die in den alltäglichsten Dingen zu finden sind.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[Eile ist des Witzes Weile Banalität ist jeden Bürgers Zier Das Bürgertum ist aller Bürger Anfang Würze ist des Witzes Kürze Jede Frau hat eine Schürze Jeder Anfang hat sein Ende Kluge ist immer noch dumm Dumme ist klug Kluge bleibt dumm]
Antithese
[Das Ende ist der Anfang jeden Endes Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs Bürger haben kurze Fliegen Kluge ist dumm Dumme ist klug Kluge bleibt dumm]
Kontrast
[Kluge ist dumm Dumme ist klug Kluge bleibt dumm]
Paradox
[Das Ende ist der Anfang jeden Endes Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs Kluge ist dumm Dumme ist klug Kluge bleibt dumm]
Parallelismus
[Das Ende ist der Anfang jeden Endes Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs]
Reim
[Fliegen haben kurze Beine Jede Frau hat eine Schürze]
Wiederholung
[Kluge ist immer noch dumm Kluge bleibt dumm]