Ballade vom Schatten

Maria Luise Weissmann

1932

Engte mich mein kleiner Schatten ein, Kleiner Schatten, der mich streng umschrieb, Mir drei Schritt voraus, zur Seite ging Oder drei in meinem Rücken blieb.

Sprach ich: Schatten, böser Spiegel Schatten, Soll ich ewig treuer Diener sein, Immerfort von deinem Maß beschlossen, Ewig Abbild und für ewig dein?

Schatten sprach darauf: Gib mir ein Licht, Größres Licht gib mir, mich drin zu strecken, Und ich geh von dir, groß und namenlos Weithin fremde Erde zu bedecken.

Frau, da ging deines Blickes Mond, Deiner Augen Sonne schräg überm Himmel auf.

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Illustration zu Ballade vom Schatten

Interpretation

Das Gedicht "Ballade vom Schatten" von Maria Luise Weissmann erzählt von der Beziehung zwischen einer Frau und ihrem Schatten. Der Schatten wird als begrenzende Kraft dargestellt, die die Frau in ihrem Handeln und Sein einschränkt. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt, ob vor ihr, neben ihr oder hinter ihr. Die Frau fühlt sich von diesem Schatten gefangen und sehnt sich nach Freiheit. In einem Dialog mit ihrem Schatten fordert die Frau ihn auf, sie loszulassen und nicht länger ihr treuer Diener zu sein. Sie möchte nicht länger von seinem Maß bestimmt und als ewiges Abbild an ihn gebunden sein. Der Schatten antwortet darauf, dass er sich nur dann von ihr lösen kann, wenn sie ihm ein größeres Licht gibt. Mit diesem Licht könnte er sich ausdehnen und ferne, fremde Erden bedecken, ohne an die Frau gebunden zu sein. Die Frau erkennt schließlich, dass sie selbst das Licht sein muss, das den Schatten befreit. Sie gibt ihm das Licht ihrer Augen, symbolisiert durch Mond und Sonne. Dadurch ermöglicht sie dem Schatten, sich zu lösen und zu wachsen. Das Gedicht endet mit einem Punkt, was die Endgültigkeit und Vollständigkeit dieser Handlung unterstreicht. Die Frau hat durch ihre Selbstaufopferung und das Geben ihres Lichts den Schatten befreit und somit auch sich selbst von seiner Begrenzung erlöst.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
Die Idee, dass der Schatten ein Abbild des Sprechers ist, könnte auf die menschliche Natur und Identität anspielen.
Bildsprache
Die Beschreibung des Mondes und der Sonne in den Augen der Frau schafft eine lebendige visuelle Szene.
Metapher
Der Schatten wird als 'böser Spiegel' bezeichnet, was auf seine reflektierende Natur hinweist.
Parallelismus
Die Wiederholung der Struktur 'drei Schritt voraus, zur Seite ging oder drei in meinem Rücken blieb' betont die ständige Anwesenheit des Schattens.
Personifikation
Schatten spricht und wird als eigenständige Entität mit Wünschen und Fähigkeiten dargestellt.
Symbolik
Der Schatten symbolisiert die Identität oder das Selbst des Sprechers, das sich ausdehnen oder verändern möchte.