Ballade vom kranken Kind
1891Das Kind mit fiebernden Wangen lag, Rotgolden versank im Laub der Tag. Das Fenster hing voller wildem Wein, Da sah ein fremder Jüngling herein.
»Laß, Mutter, den schönen Knaben ein, Er beut mir die Schale mit leuchtendem Wein, Seine Lippen sind wie Blumen rot, Aus seinen Augen ein Feuer lobt.«
Der nächste Tag verglomm im Teich, Da stand am Fenster der Jüngling, bleich, Mit Lippen wie giftige Blumen rot Und einem Lächeln, das lockt und droht.
»Schick, Mutter, den fremden Knaben fort, Mich zehrt die Glut und mein Leib verdorrt, Mich ängstigt sein Lächeln, er hält mir her Die Schale mit Wein, der ist heiß und schwer!
Ach Mutter, was bist du nicht erwacht! Er kam geschlichen ans Bett bei Nacht: Und, weh, seinen Wein ich getrunken hab Und morgen könnt ihr mir graben das Grab!«
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Interpretation
Das Gedicht "Ballade vom kranken Kind" von Hugo von Hofmannsthal erzählt von einem fiebernden Kind, das in seinem Zimmer liegt und einen fremden Jungen am Fenster erblickt. Der Junge lockt das Kind mit einer leuchtenden Weinschale, wobei seine Lippen wie rote Blumen und seine Augen wie loderndes Feuer beschrieben werden. Das Kind bittet die Mutter, den Jungen hereinzulassen, angezogen von der Verlockung des Weines und der Schönheit des Jungen. Am nächsten Tag erscheint der Junge erneut am Fenster, nun jedoch bleich und mit einem Lächeln, das sowohl lockt als auch droht. Das Kind fleht die Mutter an, den Jungen fortzuschicken, da es von der Glut gezehrt wird und sein Körper verdorrt. Es ängstigt sich vor dem Lächeln des Jungen und der schweren, heißen Weinschale, die er ihm hinhält. Das Kind beklagt, dass die Mutter nicht erwacht ist und dass der Junge in der Nacht ans Bett geschlichen ist, um ihm den Wein zu geben, den es getrunken hat. Es ahnt, dass es sterben wird und bittet die Mutter, ihm am nächsten Tag das Grab zu graben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Seinen Wein ich getrunken hab
- Personifikation
- Der nächste Tag verglomm im Teich
- Vergleich
- Mit Lippen wie giftige Blumen rot