Ballade des äußeren Lebens

Hugo von Hofmannsthal

1894

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben, Und alle Menschen gehen ihre Wege.

Und süße Früchte werden aus den herben Und fallen nachts wie tote Vögel nieder Und liegen wenig Tage und verderben.

Und immer weht der Wind, und immer wieder Vernehmen wir und reden viele Worte Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.

Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen, Und drohende, und totenhaft verdorrte …

Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen Einander nie? und sind unzählig viele? Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?

Was frommt das alles uns und diese Spiele, Die wir doch groß und ewig einsam sind Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?

Was frommts, dergleichen viel gesehen haben? Und dennoch sagt der viel, der “Abend” sagt, Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt

Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.

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Illustration zu Ballade des äußeren Lebens

Interpretation

Das Gedicht "Ballade des äußeren Lebens" von Hugo von Hofmannsthal thematisiert die Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit des Lebens. Es beginnt mit dem Bild von Kindern, die aufwachsen und sterben, ohne etwas zu wissen, und von Menschen, die ihren Weg gehen. Die Bilder von süßen Früchten, die aus bitteren entstehen und nach kurzer Zeit verderben, symbolisieren die Vergänglichkeit und den Kreislauf des Lebens. Der Wind, der immer wieder weht, und die vielen Worte, die gesprochen werden, stehen für die Wiederholung und das ewige Weitergehen des Lebens. Im zweiten Teil des Gedichts werden Straßen, Orte und Naturbilder beschrieben, die sich ständig verändern und nie gleich sind. Die Fragen, warum diese Dinge existieren und sich ständig verändern, bleiben unbeantwortet. Das Lachen, Weinen und Erbleichen der Menschen wird als sinnloses Spiel dargestellt, das von einsamen und ziellosen Wanderern betrieben wird. Im letzten Teil des Gedichts wird die Frage gestellt, was der Sinn all dieser Dinge ist, die wir sehen und erleben. Der Abend wird als Symbol für die Vergänglichkeit und die Traurigkeit des Lebens genannt. Das Wort "Abend" wird als tiefsinnig und traurig beschrieben, wie schwerer Honig, der aus hohlen Waben fließt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung und hinterfragt die Bedeutung des Lebens und der Existenz.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Und dennoch sagt der viel, der 'Abend' sagt
Hyperbel
Die wir doch groß und ewig einsam sind
Metapher
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben
Personifikation
Und alle Menschen gehen ihre Wege
Rhetorische Frage
Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen
Symbolik
Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
Vergleich
fallen nachts wie tote Vögel nieder