Bajazzo
1864Seltsam sind des Glückes Launen, Wie kein Hirn sie noch ersann, Daß ich meist vor lauter Staunen Lachen nicht noch weinen kann!
Aber freilich steht auf festen Füßen selbst der Himmel kaum, Drum schlägt auch der Mensch am besten Täglich seinen Purzelbaum.
Wem die Beine noch geschmeidig, Noch die Arme schmiegsam sind, Den stimmt Unheil auch so freudig, Daß er′s innig liebgewinnt!
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Interpretation
Das Gedicht "Bajazzo" von Frank Wedekind beschäftigt sich mit der unberechenbaren Natur des Glücks und der menschlichen Reaktion darauf. Der Sprecher reflektiert über die seltsamen und unerklärlichen Wendungen des Schicksals, die ihn oft so überwältigen, dass er nicht mehr weiß, ob er lachen oder weinen soll. Diese Ambivalenz unterstreicht die tiefe Verwirrung und Hilflosigkeit, die das Glück in uns auslösen kann. In der zweiten Strophe wird die Vergänglichkeit und Instabilität des Glücks betont. Selbst der Himmel, ein Symbol für Beständigkeit und Unveränderlichkeit, steht nicht auf festen Füßen. Daher ist es für den Menschen ratsam, sich an die wechselnden Umstände anzupassen und das Leben mit einer gewissen Leichtigkeit zu nehmen. Der "Purzelbaum" steht hier metaphorisch für die Fähigkeit, sich flexibel zu bewegen und mit den Höhen und Tiefen des Lebens umzugehen. Die letzte Strophe wendet sich an diejenigen, die noch körperlich und geistig beweglich sind. Für sie hat auch das Unglück etwas Anziehendes, da sie in der Lage sind, auch in schwierigen Situationen eine positive Einstellung zu bewahren. Das "innig liebgewinnen" des Unglücks deutet auf eine paradoxe Annahme des Lebens hin, bei der auch negative Erfahrungen als Teil des Lebens angenommen und integriert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Täglich seinen Purzelbaum
- Hyperbel
- Daß ich meist vor lauter Staunen / Lachen nicht noch weinen kann!
- Ironie
- Wem die Beine noch geschmeidig, / Noch die Arme schmiegsam sind, / Den stimmt Unheil auch so freudig, / Daß er′s innig liebgewinnt!
- Kontrast
- Aber freilich steht auf festen / Füßen selbst der Himmel kaum
- Metapher
- Daß ich meist vor lauter Staunen / Lachen nicht noch weinen kann!
- Personifikation
- Seltsam sind des Glückes Launen