Bad
1788Ich tauche unter. Meinen Leib berührt ein glatter Stängel, und plätschernd schwimm ich durch das Blattgeschlängel,
und tauche auf, als hätt ein neuer Sinn mir Macht verliehen, des Wassers grottengrünen Saal in einem Tiefsprung zu durchziehen.
Sorgsam ans Land trägt mich die nächste Welle, da schüttel ich mein Haar, es leuchtet eigne Helle.
Der Stein trinkt, Sonnendurst, vom nackten Fuß die Tropfen. Ich lass im warmen Gras die feuchten Glieder trocknen,
und wälze mich hinein, Düfte als einzige Hülle. Grasmücken zirpen fein, sonst tiefe Stille.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Bad" von Elisabeth Fuhrmann-Paulsen beschreibt ein intensives und sinnliches Erlebnis des Badens in der Natur. Die Sprecherin taucht unter und fühlt die Berührung eines glatten Stängels, während sie durch das Blattgeschlängel schwimmt. Dieses Eintauchen in das Wasser wird als eine Art Erweckung eines neuen Sinnes beschrieben, der es ihr ermöglicht, den grünen, grottenartigen Saal des Wassers in einem tiefen Sprung zu durchziehen. Die Bildsprache vermittelt ein Gefühl von Verschmelzung mit der Natur und einer tiefen, fast mystischen Verbindung zum Element Wasser. Nach dem Schwimmen trägt sie die nächste Welle sorgsam ans Land. Hier schüttelt sie ihr Haar, das von eigener Helle leuchtet, was auf eine Art Reinigung oder Erneuerung hindeutet. Der Stein, der vom nackten Fuß die Tropfen trinkt, als hätte er Sonnendurst, unterstreicht die Lebendigkeit und das Durstgefühl der Natur. Die Sprecherin lässt ihre feuchten Glieder im warmen Gras trocknen und wälzt sich hinein, wobei Düfte ihre einzige Hülle sind. Dies betont die Intimität und das vollständige Eintauchen in die natürliche Umgebung. Die Stille wird nur durch das feine Zirpen der Grasmücken unterbrochen, was die tiefe Ruhe und Einsamkeit des Moments unterstreicht. Die Natur wird als ein Ort der inneren Einkehr und des Friedens dargestellt, an dem die Sprecherin eine tiefe Verbundenheit und Harmonie erfährt. Das Gedicht endet mit einer fast meditativen Stille, die die vollkommene Verschmelzung mit der Natur und die innere Ruhe symbolisiert, die durch dieses Naturerlebnis erreicht wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- plätschernd schwimm ich durch das Blattgeschlängel
- Metapher
- des Wassers grottengrünen Saal
- Personifikation
- da schüttel ich mein Haar, es leuchtet eigne Helle
- Synästhesie
- Grasmücken zirpen fein, sonst tiefe Stille
- Vergleich
- als hätt ein neuer Sinn mir Macht verliehen