Bacchus und Cythere
1803Soll ich trinken, soll ich küssen? Hier winkt Bacchus, dort Cythere, Bacchus mit gesetzten Mienen, Und Cythere mit verliebten. Bacchus zeigt mir seine Reben, Seht, sie sinken schwer von Trauben! Aber seht nur, dort im Schatten, Unter Reben, liegt ein Mädchen! Seht, es schläft und lächelt schlafend, O, wie süß mag es wohl träumen! Seht, wie reizend liegt das Mädchen: Um den weißen, regen Busen Hangen schwarze, reife Trauben; Um die rabenschwarzen Locken Blühen schöne, gold′ne Blumen! - Weingott, winke nur nicht länger, Denn ich muss erst bei dem Mädchen Unter deinen Trauben schlummern!
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Interpretation
Das Gedicht "Bacchus und Cythere" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim handelt von der Wahl zwischen dem Weingenuss und der Liebe zu einer schönen Frau. Der Sprecher steht vor der Entscheidung, ob er sich dem Weingott Bacchus zuwenden soll oder der Liebesgöttin Cythere. In der ersten Strophe werden Bacchus und Cythere als verführerische Gestalten dargestellt, die den Sprecher mit ihren Reizen umgarnen. Bacchus erscheint ernst und würdevoll, während Cythere mit verliebten Blicken lockt. Bacchus zeigt seine Trauben, die schwer von Saft sind, während Cythere ein schlafendes Mädchen im Schatten der Reben präsentiert. Die zweite Strophe beschreibt das schlafende Mädchen in verführerischen Details. Es lächelt im Schlaf, was auf erotische Träume hindeutet. Die schwarzen Trauben um ihren weißen Busen und die goldenen Blumen in ihren schwarzen Locken symbolisieren die Verführung durch Bacchus und Cythere. Der Sprecher ist hin- und hergerissen zwischen der Versuchung des Weins und der Anziehungskraft der schönen Frau. In der letzten Strophe entscheidet sich der Sprecher für die Liebe. Er wendet sich von Bacchus ab und möchte unter den Trauben des Weins bei dem Mädchen schlummern. Damit wählt er die sinnliche Lust der Liebe über den berauschenden Genuss des Weins. Das Gedicht endet mit der Gewissheit, dass der Sprecher seiner Wahl treu bleiben wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Um den weißen, regen Busen Hangen schwarze, reife Trauben
- Metapher
- Bacchus zeigt mir seine Reben
- Personifikation
- Bacchus mit gesetzten Mienen, Und Cythere mit verliebten
- Rhetorische Frage
- Soll ich trinken, soll ich küssen?
- Vergleich
- Um die rabenschwarzen Locken Blühen schöne, gold′ne Blumen