Axiochus und Alcibiades

Friedrich von Hagedorn

1724

Axiochus, ein Schalk von schmeichelhaften Sitten, Und Alcibiades, der Stutzer von Athen, Zween Freunde gleicher Art, bei Mädchen wohl gelitten, Schlau, feurig, jung, galant, beredt und wunderschön, Verstärkten da die Treu′, wo manche sie verscherzen; Was beiden reizend schien, hieß beiden auch gemein. Fand einer keine Lust, den eignen Schatz zu herzen, So stellte sich dafür des andern Mädchen ein. Wie artig jede war, dient wenig zur Geschichte: G′nug, daß die eine drauf ein Töchterchen gebar, Die in den Windeln schon liebreizend von Gesichte, Und Helenen vielleicht an Zügen ähnlich war. Flugs sieht man beiderseits zur kleinen Doris eilen, Ein jeder nennet sie sein wahres Ebenbild, Und will das Vaterrecht nicht mit dem Freunde theilen, Das Recht, das sie zugleich mit Lust und Neid erfüllt. Jedoch, als Doris nur, der Mutter nachzuahmen, Und Küsse zu verstehn, sich alt genug befand, Entsagten beiderseits dem ernsten Vaternamen, Und suchten Gegengunst, die Pflicht und Furcht nicht band. Der eine sprach: du bist der Vater zu dem Kinde; Dies ist dein Aug′ und Mund. Was kann dir gleicher sein? Halt! rief der andre drauf, auf mich, auf mich die Sünde! Herr Schwager, glaube mir, sie stammt von dir allein.

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Illustration zu Axiochus und Alcibiades

Interpretation

Das Gedicht "Axiochus und Alcibiades" von Friedrich von Hagedorn erzählt die Geschichte zweier Freunde, Axiochus und Alcibiades, die für ihre schmeichelhaften Sitten und ihre Galanterie bekannt sind. Sie teilen eine enge Freundschaft, in der sie sich gegenseitig bei ihren amourösen Abenteuern unterstützen. Wenn einer von ihnen kein Interesse an einem Mädchen hat, stellt der andere sich für ihn ein. Ihre Beziehung ist von gegenseitigem Vertrauen und einer gewissen Leichtfertigkeit geprägt. Die Handlung nimmt eine Wendung, als eines der Mädchen ein Töchterchen namens Doris zur Welt bringt. Beide Freunde beanspruchen das Vaterrecht für sich, da das Kind ihnen beiden ähnlich sieht. Sie eilen zu Doris und streiten um die Anerkennung als Vater, getrieben von Stolz und Neid. Die Vaterschaft wird zum Symbol ihrer Rivalität und ihres Egos. Als Doris heranwächst und alt genug ist, um die Küsse ihrer Väter zu verstehen, geben beide Männer den ernsten Vaternamen auf. Sie suchen nun die Gunst des Mädchens, frei von den Pflichten und Ängsten der Vaterschaft. In einem ironischen Dialog streiten sie erneut um die Vaterschaft, wobei jeder den anderen beschuldigt, der wahre Vater zu sein. Das Gedicht endet mit einer zynischen Darstellung der menschlichen Natur, in der Freundschaft und Vaterschaft durch Eigennutz und Rivalität untergraben werden.

Schlüsselwörter

freunde gleicher mädchen beiden lust drauf beiderseits doris

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schalk von schmeichelhaften Sitten
Kontrast
Pflicht und Furcht nicht band
Metapher
die Treu′
Personifikation
was beiden reizend schien
Vergleich
und Helenen vielleicht an Zügen ähnlich war
Wiederholung
auf mich, auf mich