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Axiochus und Alcibiades

Von

Axiochus, ein Schalk von schmeichelhaften Sitten,
Und Alcibiades, der Stutzer von Athen,
Zween Freunde gleicher Art, bei Mädchen wohl gelitten,
Schlau, feurig, jung, galant, beredt und wunderschön,
Verstärkten da die Treu′, wo manche sie verscherzen;
Was beiden reizend schien, hieß beiden auch gemein.
Fand einer keine Lust, den eignen Schatz zu herzen,
So stellte sich dafür des andern Mädchen ein.
Wie artig jede war, dient wenig zur Geschichte:
G′nug, daß die eine drauf ein Töchterchen gebar,
Die in den Windeln schon liebreizend von Gesichte,
Und Helenen vielleicht an Zügen ähnlich war.
Flugs sieht man beiderseits zur kleinen Doris eilen,
Ein jeder nennet sie sein wahres Ebenbild,
Und will das Vaterrecht nicht mit dem Freunde theilen,
Das Recht, das sie zugleich mit Lust und Neid erfüllt.
Jedoch, als Doris nur, der Mutter nachzuahmen,
Und Küsse zu verstehn, sich alt genug befand,
Entsagten beiderseits dem ernsten Vaternamen,
Und suchten Gegengunst, die Pflicht und Furcht nicht band.
Der eine sprach: du bist der Vater zu dem Kinde;
Dies ist dein Aug′ und Mund. Was kann dir gleicher sein?
Halt! rief der andre drauf, auf mich, auf mich die Sünde!
Herr Schwager, glaube mir, sie stammt von dir allein.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Axiochus und Alcibiades von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Axiochus und Alcibiades“ von Friedrich von Hagedorn ist eine humorvolle und satirische Auseinandersetzung mit Themen wie Freundschaft, Eifersucht, Liebe und Vaterschaft. Es erzählt von zwei Freunden, die sich in ihrer Lebensart und ihren Beziehungen zu Frauen sehr ähneln, aber durch die Geburt eines Kindes namens Doris in einen Konflikt geraten. Die beiden Männer, Axiochus und Alcibiades, sind beide charmant, jugendlich und begehrt bei den Frauen, wobei sie im Grunde alles teilen, was sie haben.

Der Kern des Gedichts liegt in der Wendung, als Doris geboren wird. Beide Männer behaupten, der Vater des Kindes zu sein, und widersprechen so ihrer früheren Freundschaft, die sich durch die gemeinsame Nutzung von allem auszeichnete. Die Ironie entsteht dadurch, dass die vermeintliche Vaterschaft von Doris zu einem Streit führt. Es wird deutlich, dass die beiden Freunde, die zuvor alles teilten, nun in einen Wettstreit um die Vaterschaft treten, ein Recht, das sie mit „Lust und Neid“ erfüllt. Die humorvolle Note des Gedichts wird durch die direkte Rede verstärkt, in der sich die Männer gegenseitig beschuldigen und versuchen, die Vaterschaft für sich zu beanspruchen.

Die satirische Spitze des Gedichts liegt in der Kritik an der menschlichen Natur und den Widersprüchen, die entstehen, wenn egoistische Tendenzen zum Vorschein kommen. Die anfängliche Harmonie und das Teilen von allem, was sie haben, werden durch die Eifersucht und den Wunsch nach exklusiver Besitzansprüche untergraben, die durch die Geburt des Kindes ausgelöst werden. Hagedorn nutzt die amüsante Situation, um die Flüchtigkeit von Freundschaften und die Macht von Egoismus und Konkurrenz zu thematisieren, besonders im Kontext von Liebe und Vaterschaft.

Der letzte Teil des Gedichts, in dem Doris beginnt, die Welt zu erkunden, unterstreicht die Ironie noch weiter. Beide Männer geben ihren Anspruch auf Vaterschaft auf und suchen stattdessen nach einer romantischen Beziehung mit Doris, sobald sie alt genug ist, um zu küssen und die Welt zu verstehen. Dieser plötzliche Wechsel von der Vaterschaft zum Begehren ist ein weiterer Beweis für die Unbeständigkeit der Männer und ihre Bereitschaft, ihre eigenen Interessen über alles andere zu stellen. Das Gedicht ist somit eine bissige Kritik an menschlichen Schwächen, verpackt in einer humorvollen und eingängigen Form.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.