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Avezzano

Von

Freundliche Hügel umgeben das Dorf, den dankbaren Boden
Hat ein fleißiger Schlag südlicher Leutchen bepflanzt.
Heimathlich fühl′ ich mich hier, und kehr′ ich nach Hause zum Heerde,
Sagt mir ein Mädchen, dir blüht nirgends ein heimathlich Glück.

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Gedicht: Avezzano von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Avezzano“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt eine Szene der idyllischen Ruhe und Geborgenheit, jedoch auch eine Ambivalenz in Bezug auf das Gefühl von Heimat. Der Text beginnt mit einer Beschreibung der Landschaft, die das Dorf Avezzano umgibt: freundliche Hügel und fruchtbarer Boden, der von fleißigen Menschen bepflanzt wurde. Diese einladende Naturkulisse suggeriert ein Gefühl der Harmonie und des Wohlstands, was das Dorf als einen angenehmen Ort erscheinen lässt.

Der zweite Teil des Gedichts führt eine persönliche Note ein. Der Sprecher drückt das Gefühl aus, sich hier heimisch zu fühlen. Diese Aussage deutet auf eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit hin, die er in der beschriebenen Umgebung zu finden scheint. Die Erwähnung des „Heerds“ könnte auf eine Sehnsucht nach familiärer Wärme und Beständigkeit verweisen. Die Idylle wird jedoch durch einen unerwarteten Perspektivwechsel gestört.

Der Kern der Ambivalenz wird durch die Worte eines Mädchens ausgedrückt, welches dem Sprecher sagt, dass ihm nirgends ein heimathliches Glück widerfahren wird. Dieser Satz ist von zentraler Bedeutung, da er die vorherige positive Beschreibung in Frage stellt. Die Aussage suggeriert, dass der Sprecher, trotz seiner scheinbaren Geborgenheit in Avezzano, nicht wirklich ein Gefühl von tiefer, dauerhafter Heimat finden kann. Dies könnte auf innere Unruhe, eine Rastlosigkeit oder eine allgemeine Unfähigkeit, irgendwo wirklich anzukommen, hindeuten.

Das Gedicht thematisiert somit auf subtile Weise die Suche nach Heimat und Glück. Waiblinger präsentiert eine scheinbar idyllische Umgebung, um dann die tieferen Zweifel und Sehnsüchte des Sprechers anzudeuten. Das Gedicht wirft die Frage auf, ob äußere Umstände allein ausreichen, um ein Gefühl von Heimat und Zufriedenheit zu erzeugen, oder ob wahres Glück von inneren Faktoren und der eigenen Fähigkeit, sich irgendwo zuhause zu fühlen, abhängt. Die abschließende Aussage des Mädchens verleiht dem Gedicht eine melancholische Note und lässt den Leser über die Komplexität menschlicher Sehnsüchte nachdenken.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.