Auß dem Lob einer Nachtmusic

Sibylla Schwarz

1638

Die Music mein ich hier / die Sinn und Muht durchdringet / und mit der Liebligkeit biß in das Marck erklinget. wo nichtes anders sonst des Menschen Muht bewegt / da ist sie offters / die den Geist in ihm erregt; und der vohr lange Zeit betrübet hat gesessen / der kan durch die Music bald werden so vermessen / daß er mit gradem Fuß lest sehen was er kan / und stelt sich / als wolt er den hohen Himmel an. Und dieses hab ich selbst zuhm offtern so befunden / ja erst noch diese Nacht in mitnächtlicher Stunden / da mich die Gans im Bett auch kaum gehalten hat / weil dieses ganze Hauß mir vorkam als ein Radt: die Stüle hüpften mir vohr Augen auff und nieder / die Tisch und Bäncke gleich sich regten hin und wieder: so starck ist die Music gewesen diese Nacht / als recht in deren mitt′ ich war vohm Schlaff erwacht / und was zuhm offtern mir ein Fabel war gewesen / wan ich vohn Orpheus hatt und seiner Kunst gelesen / das fieng mir gänzlich an für Wahrheit einzugehn etc.

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Illustration zu Auß dem Lob einer Nachtmusic

Interpretation

Das Gedicht "Auß dem Lob einer Nachtmusic" von Sibylla Schwarz beschreibt die Macht der Musik, die tief in die Seele eindringt und selbst die traurigsten Gemüter erheben kann. Die Autorin lobt die Musik dafür, dass sie in der Lage ist, den Geist zu erregen und sogar diejenigen zu begeistern, die lange Zeit betrübt waren. Sie verleiht den Menschen Mut und Selbstvertrauen, sodass sie sich stark und fähig fühlen, große Dinge zu vollbringen. Die Autorin berichtet von einer persönlichen Erfahrung, bei der sie selbst von der Wirkung der Musik betroffen war. In einer Nacht wurde sie durch laute Musik geweckt und beobachtete, wie sich die Gegenstände im Raum zu bewegen schienen. Stühle hüpften auf und ab, Tische und Bänke bewegten sich hin und her. Diese Szene erinnert an die mythische Kraft der Musik, wie sie in der Geschichte von Orpheus beschrieben wird, der mit seinem Gesang die Natur bezaubern konnte. Die Autorin vergleicht ihre Erfahrung mit den Fabeln über Orpheus und seine Kunst. Sie gibt zu, dass sie diese Geschichten zuvor als unwahr angesehen hat, aber durch ihre eigene Erfahrung begann sie, an die Wahrheit dieser Mythen zu glauben. Die Musik hat eine so starke Wirkung auf sie gehabt, dass sie ihre bisherige Skepsis überwunden hat und nun die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die Geschichten über die Macht der Musik tatsächlich wahr sein könnten.

Schlüsselwörter

music muht vohr kan zuhm offtern nacht gewesen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
betrübet hat gesessen
Bildsprache
als recht in deren mitt′ ich war vohm Schlaff erwacht
Hyperbel
daß er mit gradem Fuß lest sehen was er kan
Metapher
da mich die Gans im Bett auch kaum gehalten hat
Personifikation
Die Stüle hüpften mir vohr Augen auff und nieder