Aus!

Nikolaus Lenau

1850

Ob jeder Freude seh ich schweben Den Geier bald, der sie bedroht; Was ich geliebt, gesucht im Leben, Es ist verloren oder tot.

Fort riß der Tod in seinem Grimme Von meinem Glück die letzte Spur; Das Menschenherz hat keine Stimme Im finstern Rate der Natur.

Ich will nicht länger töricht haschen Nach trüber Fluten hellem Schaum, Hab aus den Augen mir gewaschen Mit Tränen scharf den letzten Traum.

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Illustration zu Aus!

Interpretation

Das Gedicht "Aus!" von Nikolaus Lenau beschreibt die tiefen Enttäuschungen und den Verlust, den der Sprecher im Leben erfahren hat. Er sieht, wie die Freude, die er einst gesucht und geliebt hat, entweder verloren gegangen oder gestorben ist. Die Freude wird als etwas Zerbrechliches dargestellt, das von einem drohenden Geier bedroht wird, was die Vergänglichkeit und die ständige Gefahr des Verlustes symbolisiert. Der zweite Teil des Gedichts betont die Endgültigkeit dieses Verlustes. Der Tod hat die letzte Spur des Glücks des Sprechers mit sich gerissen, und er fühlt sich von der Natur und ihrem "finsteren Rate" verlassen. Das menschliche Herz hat in diesem Prozess keine Stimme, was die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber den größeren, unkontrollierbaren Kräften des Lebens unterstreicht. Im letzten Teil des Gedichts beschließt der Sprecher, nicht länger vergeblich nach flüchtigem Glück zu streben. Er hat seine Augen "mit Tränen scharf gewaschen" und den letzten Traum ausgelöscht. Dies deutet auf eine Art Resignation oder Akzeptanz hin, bei der der Sprecher sich von unrealistischen Hoffnungen und Illusionen befreit, um mit der Realität seines Verlustes zu leben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Mit Tränen scharf den letzten Traum
Personifikation
Der Tod in seinem Grimme