Aus!

Kurt Tucholsky

1935

Einmal müssen zwei auseinandergehn; einmal will einer den andern nicht mehr verstehn - - einmal gabelt sich jeder Weg - und jeder geht allein - wer ist daran schuld?

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit. Jeder trägt den andern mit sich herum - etwas bleibt immer zurück.

Einmal hat es euch zusammengespült, ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt - Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -: ein neuer Mensch.

Jeder geht seinem Schicksal zu. Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du. Jeder sucht seine Zukunft. Und geht mit stockendem Fuß, vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und Gruß in ein fernes Land.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Aus!

Interpretation

Das Gedicht "Aus!" von Kurt Tucholsky handelt von der Unausweichlichkeit des Auseinandergehens in menschlichen Beziehungen. Es beschreibt, wie zwei Menschen sich trennen müssen, weil einer den anderen nicht mehr versteht und sich ihre Wege trennen. Der Dichter betont, dass es keine Schuld gibt, sondern nur den Lauf der Zeit, der solche Trennungen verursacht. Jeder trägt den anderen in sich und etwas bleibt immer zurück, selbst nach der Trennung. Tucholsky vergleicht die Beziehung mit einem Prozess des Erhitzens und Erkühlens, bei dem sich die Partner zusammenschmelzen und dann wieder auseinandergehen. Sie waren wie ein Kind, das aus beiden entstanden ist, und nun sinkt jede Hälfte herab, um einen neuen Menschen zu bilden. Das Gedicht beschreibt die Trennung als einen natürlichen Teil des Lebens, bei dem jeder seinem Schicksal entgegengeht und sich wandelt. Am Ende betont Tucholsky, dass das Leben aus ständiger Veränderung besteht und jeder Mensch nach einem Gegenüber sucht. Jeder strebt nach seiner Zukunft und geht mit einem stockenden Schritt vorwärts, getrieben vom Willen, ohne Erklärung oder Gruß, in ein fernes Land. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und reflektiert über die Vergänglichkeit menschlicher Beziehungen.

Schlüsselwörter

jeder einmal geht andern schuld gibt sucht müssen

Wortwolke

Wortwolke zu Aus!

Stilmittel

Metapher
in ein fernes Land
Personifikation
Leben ist Wandlung