Aus Südafrika
1921Wir hörten schon so manches Stücklein melden Zum ewigen Ruhme der englischen Helden. Das beste blieb uns noch aufgehoben, Wir dürfen sie heute aufs neue loben. Erbittert nach den empfindlichen Hieben, Haben sie Weiber und Kinder zusammengetrieben. Die mussten in glühender Sonne kampieren, Wer′s nicht vermochte, der konnte krepieren. Die Mütter sahen die Kleinen sterben Und mussten selber langsam verderben. Konnten nicht helfen, konnten nur bitten; Kein Mensch mag ermessen, was sie gelitten Um ihre Kinder. Was taten die Armen? Zum Teufel mit dem dummen Erbarmen! Es traf die Väter, die sich erfrechten, Noch immer für Haus und Hof zu fechten. Die es vollbrachten, sind Christen gewesen, Die den Heiland tragen zu den Chinesen, Und die Bibel von hinten bis vorne kennen, Und den lieben Gott ihren Duzfreund nennen. Das Stücklein von den blutigen Hunden, Das Stücklein ist wahr! Nicht hat es erfunden Ein märchenschreibender Zeitungslenker. Und der es befohlen, der Weiberhenker, Der tapfere Roberts — die Wahrheit ist bitter — Ist königlich preußischer Ordensritter.
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Interpretation
Das Gedicht "Aus Südafrika" von Ludwig Thoma kritisiert die unmenschlichen Praktiken britischer Kolonialtruppen während des Zweiten Burenkriegs. Es schildert die Brutalität, mit der Zivilisten, insbesondere Frauen und Kinder, in Konzentrationslager getrieben und unter unmenschlichen Bedingungen leiden mussten. Die Darstellung betont die Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Schicksal und die moralische Verkommenheit der Täter, die sich zugleich als christlich und zivilisiert bezeichnen. Die Ironie des Gedichts liegt in der Gegenüberstellung der angeblichen Tugenden der britischen "Helden" mit ihren grausamen Taten. Thoma verdeutlicht den Widerspruch zwischen dem selbst proklamierten christlichen Ethos und dem tatsächlichen Verhalten, das jegliche menschliche Würde missachtet. Die Erwähnung Roberts, der als "tapferer" Ordensritter bezeichnet wird, unterstreicht die Heuchelei und den moralischen Bankrott der Kolonialmacht. Abschließend dient das Gedicht als scharfe Anklage gegen den Kolonialismus und seine Verbrechen. Thoma macht deutlich, dass die vermeintliche Zivilisiertheit der Kolonialherren nur eine Fassade ist, hinter der sich Barbarei verbirgt. Die Wahrheit über die "blutigen Hunde" und ihre Taten wird als unbequem, aber unausweichlich präsentiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- kann krepieren
- Anspielung
- Das Stücklein von den blutigen Hunden
- Hyperbel
- Kein Mensch mag ermessen, was sie gelitten
- Ironie
- Zum ewigen Ruhme der englischen Helden.
- Kontrast
- Die Mütter sahen die Kleinen sterben / Und mussten selber langsam verderben
- Metapher
- blutigen Hunden
- Personifikation
- die Bibel von hinten bis vorne kennen
- Reim
- melden - Helden
- Rhythmus
- Erbittert nach den empfindlichen Hieben, / Haben sie Weiber und Kinder zusammengetrieben.
- Sarkasmus
- Zum Teufel mit dem dummen Erbarmen!
- Wortspiel
- die Wahrheit ist bitter