Aus Herzenstiefen
1845Deine Liebe hab′ ich nie begehrt, Weil ich ihrer mich nicht werth erkenne, Aber wissen sollst du, daß, verklärt, Ich als Opferflamme für dich brenne.
Wie es also kam, ich weiß es nicht! Sieghaft tauchend aus des Ostens Thoren, Ueberströmte mich das goldne Licht Und der Engel war in mir geboren.
Lächelnd jedem Schmerz und jedem Spott Folg′ ich dir seitdem auf deinen Pfaden, Und du wardst zum Wort, mit dem mich Gott Zu dem Fest der Seligen geladen.
Oft war Jammer meiner Seele nah, Meine Brust durchbohrt vom scharfen Stahle, Doch die finstre Nacht, sie schien nur da, Daß der Glanz der Liebe heller strahle.
Als ich mich mit allem Glück und Weh Fest an dich, du Einziger! gekettet, Hab ich mich aus stürmereicher See In den Port der Ewigkeit gerettet!
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Interpretation
Das Gedicht "Aus Herzenstiefen" von Betty Paoli handelt von einer tiefen, unausgesprochenen Liebe, die der lyrischen Ich-Erzählerin widerfährt. Obwohl sie die Liebe des Angesprochenen nie begehrt hat und sich ihrer nicht würdig fühlt, brennt sie wie eine Opferflamme für ihn. Diese Liebe ist plötzlich und unerwartet in ihr erwacht, vergleichbar mit einem goldenen Licht, das sie überströmte und einen Engel in ihr gebar. Die Erzählerin folgt dem Geliebten seither auf seinen Pfaden, obwohl sie Schmerz und Spott erdulden muss. Doch durch diese Leiden wird die Liebe nur noch heller und strahlender. Die tiefe Verbundenheit mit dem Geliebten hat sie aus stürmischen Gewässern in den sicheren Hafen der Ewigkeit gerettet. Die Liebe ist für sie ein göttliches Geschenk, das sie zu den Seligen führt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine intensive, fast religiöse Hingabe an die Liebe, die trotz aller Widrigkeiten unerschütterlich bleibt. Die lyrische Stimme findet in der Liebe Erlösung und ewiges Glück, auch wenn sie sich selbst als unwürdig empfindet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- den Port der Ewigkeit
- Personifikation
- Ueberströmte mich das goldne Licht