Aus einem April
1902Wieder duftet der Wald. Es heben die schwebenden Lerchen mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war,- aber nach langen, regnenden Nachmittagen kommen die goldübersonnten neueren Stunden, vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten alle die wunden Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. Alle Geräusche ducken sich ganz in die glänzenden Knospen der Reiser.
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Interpretation
Das Gedicht "Aus einem April" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Verwandlung der Natur vom Winter zum Frühling. Der Wald duftet wieder, und die Lerchen tragen den Himmel empor, der zuvor schwer auf den Schultern der Menschen lastete. Obwohl der Tag noch leer erschien, kommen nach langen, regnerischen Nachmittagen die goldenen, sonnenüberfluteten Stunden. Diese neuen Stunden lassen die Fenster an den fernen Häuserfronten ängstlich flattern, als ob sie sich vor der Veränderung fürchten würden. Dann wird es still, und selbst der Regen geht leiser über den Steinen, deren Glanz sich beruhigt und verdunkelt. Alle Geräusche ziehen sich in die glänzenden Knospen der Zweige zurück. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl der Ruhe und Erneuerung, das mit dem Einzug des Frühlings einhergeht. Die Natur erwacht zu neuem Leben, und die Menschen können die Last des Winters ablegen. Die Sprache des Gedichts ist poetisch und bildhaft. Rilke verwendet Metaphern und Personifikationen, um die Veränderungen in der Natur zu beschreiben. Die Lerchen tragen den Himmel empor, und die Fenster flattern ängstlich. Die Geräusche ducken sich in die Knospen. Durch diese sprachlichen Mittel schafft es Rilke, die Stimmung des Gedichts eindrucksvoll zu vermitteln und den Leser in die Welt des Frühlings eintauchen zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- ruhig dunkelnden Glanz
- Bildsprache
- der Wald. Es heben die schwebenden Lerchen
- Kontrast
- nach langen, regnenden Nachmittagen kommen die goldübersonnten neueren Stunden
- Metapher
- der Himmel empor, der unseren Schultern schwer war
- Personifikation
- Alle Geräusche ducken sich ganz in die glänzenden Knospen der Reiser