Aus der Sierra Nevada

Adolf Friedrich Graf von Schack

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Hin trägt uns das Maultier, buntgezäumt, Durch sonnenverbrannte Schluchten, An Schlünden vorbei, wo die Meerflut schäumt Tief unten um hallende Buchten, Um Riff und Klippe und zackiges Kap Auf schwindelnden Pfaden hinauf und hinab.

Bald Thäler, von Afrikas Gluthauch heiß, Bergwände, vom Erdstoß geborsten, Bald Gipfel, starrend in ewigem Eis, Wo einsam die Adler horsten! Bald Goldfruchthaine am Meeressaum, Darunter wir träumen den Mittagstraum!

Wohl in der Rechten des Räubers blitzt Das Messer, bereit zum Morden; Wohl ragt manch Kreuz, aus Holze geschnitzt, An des Sturzbachs düsteren Borden, Und um Rache für das vergossene Blut Hallt noch ein Schrei aus der tosenden Flut.

Doch vorwärts, Freunde! Einst, heimgekehrt, Uns drängend ums lodernde Feuer, Gedenken wir froh am traulichen Herd Der bestandenen Abenteuer, Und süßer, als je das Rasten war, Ist dann das Gedächtnis erlebter Gefahr.

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Illustration zu Aus der Sierra Nevada

Interpretation

Das Gedicht "Aus der Sierra Nevada" von Adolf Friedrich Graf von Schack schildert eine abenteuerliche Reise durch die Sierra Nevada, eine Gebirgskette in Andalusien, Spanien. Der Erzähler beschreibt die eindrucksvolle Landschaft mit ihren tiefen Schluchten, steilen Klippen und wechselnden Klimazonen. Die Reise führt durch heiße Täler, an geborstenen Bergwänden vorbei und hinauf zu Gipfeln mit ewigem Eis. Die Reisenden genießen die Schönheit der Natur und träumen unter Goldfruchthainen am Meeressaum. Trotz der beeindruckenden Natur ist die Reise nicht ungefährlich. Der Dichter erwähnt die Gefahr durch Räuber, die mit Messern bewaffnet sind und bereit zum Morden. Er erinnert auch an die blutigen Auseinandersetzungen der Vergangenheit, die durch Kreuze an den Ufern der Sturzbäche symbolisiert werden. Die tosende Flut hallt noch immer den Schrei nach Rache für das vergossene Blut wider. Am Ende des Gedichts blickt der Erzähler optimistisch in die Zukunft. Er stellt sich vor, wie er und seine Freunde nach ihrer Heimkehr am lodernden Feuer sitzen und voller Freude an die bestandenen Abenteuer zurückdenken werden. Die Erinnerung an die erlebte Gefahr wird dann besonders süß sein, und das Rasten am heimischen Herd wird noch angenehmer erscheinen. Das Gedicht vermittelt somit eine positive Botschaft über das Durchstehen von Herausforderungen und die Freude an der Rückkehr nach Hause.

Schlüsselwörter

bald hin trägt maultier buntgezäumt sonnenverbrannte schluchten schlünden

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
An Schlünden vorbei, wo die Meerflut schäumt
Anspielung
Wo einsam die Adler horsten!
Bildsprache
Um Riff und Klippe und zackiges Kap
Enjambement
Hin trägt uns das Maultier, buntgezäumt Durch sonnenverbrannte Schluchten
Hyperbel
Wo einsam die Adler horsten!
Kontrast
Bald Thäler, von Afrikas Gluthauch heiß, Bergwände, vom Erdstoß geborsten
Metapher
Thäler, von Afrikas Gluthauch heiß
Personifikation
Wohl in der Rechten des Räubers blitzt das Messer, bereit zum Morden
Symbolik
Und um Rache für das vergossene Blut Hallt noch ein Schrei aus der tosenden Flut
Vergleich
Süßer, als je das Rasten war
Wiederholung
Bald Thäler, von Afrikas Gluthauch heiß, Bergwände, vom Erdstoß geborsten, Bald Gipfel, starrend in ewigem Eis