Aus der Höhe
1892Schreitend meinen Höhenpfad, Seh ich, statt lebendger Flut, Unter mir des Eises Flur, Drauf der Wettlauf Tausender Unermüdlich sich ergötzt. Horch! Ein dunkel Geisterlied Wie des Bienenkorbs Gesumms: Dröhnend sonder Unterbruch Durch die reine Winterluft Des gestählten Schuhes Ton! Meiner Jugend einzge Lust Läutet dumpf zu mir empor.
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Interpretation
Das Gedicht "Aus der Höhe" von Conrad Ferdinand Meyer schildert die Betrachtung einer winterlichen Landschaft von einem erhöhten Standpunkt aus. Der Sprecher schreitet auf einem Höhenpfad und sieht unter sich ein gefrorenes Flussbett, auf dem sich zahlreiche Schlittschuhläufer tummeln. Die Szene wird als ein unermüdliches und erfreuliches Treiben beschrieben, das sich vor den Augen des Betrachters abspielt. Die Geräuschkulisse dieser winterlichen Szenerie wird durch ein geisterhaftes Lied charakterisiert, das an das Summen eines Bienenstocks erinnert. Dieses Geräusch, das durch die klare Winterluft dringt, wird vom Klang der Stahlkufen auf dem Eis dominiert. Der Sprecher nimmt diesen Klang als eine dumpfe, aber dennoch erfreuliche Erinnerung an die Freuden seiner Jugend wahr, die ihm von unten entgegenklingt. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der ruhigen Betrachtung und des in sich gekehrten Nachdenkens. Der Sprecher befindet sich in einer Position der Distanz und Beobachtung, sowohl physisch durch seinen Standort auf dem Höhenpfad als auch emotional durch seine Erinnerungen an die Vergangenheit. Die winterliche Szene dient als Metapher für die Vergänglichkeit der Zeit und die Kontinuität des Lebens, während der Klang der Schlittschuhkufen als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart fungiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dröhnend sonder Unterbruch
- Metapher
- statt lebendger Flut
- Personifikation
- Unter mir des Eises Flur
- Symbolik
- Meiner Jugend einzge Lust
- Vergleich
- Wie des Bienenkorbs Gesumms