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Aurelius und Beelzebub

Von

Es wird Aurel, der nichts, als Armuth, scheut,
Zum Mammonsknecht, zum Harpax unsrer Zeit.
Ihm ist der Klang von vielen todten Schätzen
Ein Saitenspiel, das Zählen ein Ergötzen.
Oft schläft der Thor, noch hungrig und mit Pein,
Vom Hüten matt, auf vollen Säcken ein;
Denn Geld und Geiz nimmt täglich bei ihm zu;
Geld ist sein Trost, sein Leben, seine Ruh′,
Sein Herr, sein Gott. Stets nagt ein scharfer Neid
Sein blutend Herz. Jüngst mehrt′ ein vielfach Leid
Des Wuchrers Qual und Unzufriedenheit.

Der Wittwen Fluch? Beraubter Waisen Ach?
Die Reue? Nein. Dergleichen Kleinigkeit
Gibt Reichen jetzt kein großes Ungemach.
Was wichtigers: Zu spät erfolgte Renten,
Ein drohender Protest, zu wenige Procenten,
Ein viel zu mildes Jahr, der zu fürwitz′ge Zoll.
Dies alles füllt sein Herz mit Unmuth, Zorn und Groll.
Er wird zuletzt verzweiflungsvoll.

Als er so großer Noth zu peinlich nachgedacht,
Ruft der Unsinnige sogar in einer Nacht
Den Satan an, und Satan schickt ihm gleich
Den größten Herrn aus seinem Reich,
Der jetzt, den Alten zu berücken,
In einer neuen Tracht erschien,
Wol zehnmal schöner, als wir ihn
In den Gemälden oft erblicken,
Wo ihm die Augen funkelnd glühn,
Und Hörner seine Stirne schmücken.
Er hatte weder Schweif noch Klauen,
Der Hölle zaubernde Gewalt
Gab ihm die menschliche Gestalt,
Und keinem durfte vor ihm grauen.
Er überkam, nach unsrer Stutzer Art,
Ein schönes leeres Haubt, ein wohl gepudert Haar,
Wobei zugleich dem Kinnchen ohne Bart
Ein Flügelwerk von Band, anstatt des Schattens, war.
Er selbst, wie seine Pracht, war ohne Fehl und Tadel,
Und Herr und Kleid von gleichem Adel.

Nur ließ man ihm (so lautet der Bericht)
Den einen Pferdefuß. Warum? Das weiß ich nicht.
Er war ja sonst, ohn′ allen Zweifel,
Ein hübscher, recht galanter Teufel.

Bald fand der karge Greis den längst gesuchten Rath,
Als dieser Cavalier zu ihm ins Zimmer trat.

Mein Herr, wie heißen Sie? … Beelzebub … Willkommen!
Der Oberste der Teufel? … Ja …
Ich hatt′ es nicht in Acht genommen,
Weil ich noch nicht auf dero Füße sah.
Sie setzen sich … Wie geht es in der Höllen? …
Wie lebt mein reicher Oheim da? …
Recht wie ein Fürst.. Und wie befindet sich
Der Lucifer? … Ich bitte dich,
Die Complimente einzustellen.
Dich reich zu machen, komm′ ich hier.
Ich bin dein Retter. Folge mir.

Sein Führer bringet ihn in einen öden Wald
Von heiligen bemoosten alten Eichen,
Den Sitz des Czernebocks, der Gnomen Aufenthalt,
Die Schlachtbank vieler Opferleichen.
Hier herrscht, fast tausend Jahr′, ein schwarzer wilder Schrecken
In grauser Finsterniß. Den unwirthbaren Sitz
Verklärt, doch selten nur, ein rother schneller Blitz.
Hier sollte sich der Trost Aurels entdecken.
Hier blieb der Fliegenfürst und sein Gefährte stehn.
Er stampft dreimal: dreimal erbebt der Grund:
Es öffnet sich ein lichter, tiefer Schlund,
Und läßt im Augenblick so große Baarschaft sehn,
Als würde fast der Reichthum aller Welt,
Hier an Geschmeid′ und Gold, den Augen dargestellt.
Sieh′, spricht der Höllengeist, auf diesem Platz
Liegt ein Geschenk für dich, der Schatz.

Wie wird der Filz durch dieses Wort entzückt!
Kein ird′sches Paradies scheint ihm so schön geschmückt,
So reich an innerm Werth. Kein Thumherr, kein Prälat,
Der seiner Pfründe Zins in Rheinwein vor sich hat,
Kein Bischof, der erfreut, an einem Kirchweihfest,
Das erste Glas besieht, das er sich reichen läßt,
Weiß mit so merklichem, doch wohlbefugtem, Sehnen
Sein fromm und fett Gesicht durch Lächeln auszudehnen.
Er streckt frohlockend aus die hoffnungsreiche Hand.
Wiewol, o harter Zwang! Glück voller Unbestand!
Halt, ruft Beelzebub, dies ist dir zwar gegeben,
Allein vor morgen nicht zu heben.

Der Schatz versinkt auf dieses Donnerwort.
Gestrenger Herr! wie kurz ist meine Freude!
Betrogener Aurel! wie findest du den Ort?
Den Busch? die Kluft? den Schatz? … Er ist und bleibet dein.
Betrogen! Was? Ich ein Betrüger? … Nein ….
Sei klug, und laß ein Zeichen dort,
Und nimm dir, wann es tagt, das Gold und das Geschmeide.

Gleich setzt er tiefgebückt sich und ein Zeichen hin.
Er jauchzt mit neuvergnügtem Sinn,
Und sagt aufs zierlichste mit vielen Worten Dank.
Beelzebub verschwand, standsmäßig mit Gestank.
Es springt Aurel um den bemerkten Platz,
Als ob er seinen Fund schon hätte;
Doch stößt er sich an einen Baum.
Aurel erwacht, (denn alles war ein Traum)
Und von dem vorgestellten Schatz
Bleibt nur das Zeichen in dem Bette.

Es ist der Geiz der Teufel vieler Alten,
Und der Beelzebub, der lockend sie bethört.
Ihr ungebrauchter Schatz ist aber nicht mehr werth,
Als was Aurel allhier erhalten.

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Gedicht: Aurelius und Beelzebub von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Aurelius und Beelzebub“ von Friedrich von Hagedorn ist eine satirische Fabel, die die zerstörerische Macht des Geizes und die Sinnlosigkeit des Strebens nach Reichtum ohne moralische Grundlage thematisiert. Der Autor bedient sich hier einer ironischen Erzählweise, um die Gier des Aurelius, der bereit ist, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen, bloßzustellen und die daraus resultierende Enttäuschung zu veranschaulichen.

Im Zentrum der Handlung steht Aurelius, ein Mann, der von Armut gepeinigt ist und dessen einziger Lebenszweck es ist, Reichtum anzuhäufen. Der Dichter beschreibt Aurelius als einen „Mammonsknecht“, einen Diener des Mammon, des Gottes des Reichtums. Seine Gier kennt keine Grenzen, und er scheut sich nicht, seinen Reichtum auf Kosten anderer zu mehren. Hagedorn zeichnet ein scharfes Bild des Geizhalses, dessen Leben von Neid, Unzufriedenheit und der Furcht vor Verlust geprägt ist. Die Beschreibungen von Aurelius‘ Qualen und seinem verzweifelten Wunsch nach Reichtum dienen dazu, die Absurdität und Leere seines Lebens zu unterstreichen.

Die Begegnung mit Beelzebub, dem Teufel, ist der Wendepunkt der Geschichte. Der Teufel erscheint in verführerischer Gestalt, um Aurelius zu täuschen und ihm einen Schatz zu versprechen. Die Beschreibung des Teufels als blendend schöner Mann, abgesehen von dem Pferdefuß, zeigt die Fähigkeit des Bösen, sich als verlockend und attraktiv zu tarnen. Die Inszenierung des Schatzes in einem finsteren Wald, der von schwarzem Schrecken geprägt ist, und die anschließende Enttäuschung des Aurelius, dem der Schatz nur vorübergehend versprochen wird, sind zentrale Elemente der Satire.

Das Gedicht endet mit einer moralischen Lehre, die die Sinnlosigkeit des materialistischen Strebens betont. Aurelius erwacht aus seinem Traum, ohne den Schatz erhalten zu haben. Was bleibt, ist ein Zeichen, ein Beweis für seinen Wunsch, aber nicht für den tatsächlichen Besitz. Hagedorn unterstreicht damit, dass der Geiz und die Gier nach Reichtum, die von Beelzebub verkörpert werden, letztlich zu Enttäuschung, Leere und Selbstbetrug führen. Das Gedicht warnt eindrücklich vor den Gefahren des Geizes und der Verführung durch materielle Werte, die keinen dauerhaften Wert haben.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.