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Aufschwung

Von

Umfange mich du Liebesarm,
Du freier Geist der Zeit,
Und drück mich an den Busen warm
In stiller Seligkeit.

Drück mich in deine Arme lind
In weihendem Verein —
Du schließest ja ein treues Kind
In deine Liebe ein.

Vom Hauch es Lebens heiß durchglüht
Thaut mir das Herz dann auf, —
Mein Lied, das sonst im Thal geglüht,
Hebt dann sich himmelauf.

Und mußt ich früher still im Thal
Zum Himmel schauend gehn.
So werd ich nun im Sonnenstral
Vom Himmel niedersehn.

Hebe dich, du deutsche Kraft,
Brich die morschen Schranken!
Weil du dich emporgerafft,
Darfst du auch nicht wanken.

Sieh, wie dir die Freiheit lacht —
Folge ihrem Winken,
Um ihr dann mit Liebesmacht
An die Brust zu sinken!

Schwinge deines Geists Schwert
Als ein kühner Fechter,
Zeige dich des Danks wert
Kommender Geschlechter!

Ficht in aus den heil′gen Kampf,
Den du ernst begonnen,
Bis im letzten Todeskrampf
Alle Nacht zerronnen.

Ohne Haß und ohne Groll
Hebe deine Stimme,
Kämpfe stark, doch liebevoll,
Daß der Morgen stimme.

Sprich es aus das große Wort
In die Welt, die krank,
Künd es laut an jedem Ort:
Gott ist – der Gedanke!

Und erringe diesem Gott —
Deinem Geist — das Leben,
Rett ihn aus der Ketten Spott,
Laß ihn frei erheben.

Dulde keinen Geisteszwang,
Und wills so nicht gehen,
Laß ihn unter Schwerterklang —
Deutsches Volk — erstehen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Aufschwung von Hermann Rollett

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Aufschwung“ von Hermann Rollett ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Freiheit des Geistes und eine Aufforderung zum Kampf für diese Freiheit. Es atmet den Geist des politischen Aufbruchs des 19. Jahrhunderts, wobei die zentrale Metapher des Aufschwungs sowohl die persönliche Entwicklung als auch die gesellschaftliche Erhebung des deutschen Volkes symbolisiert. Die ersten Strophen zeichnen ein Bild des innigen Einsseins mit einer „Liebe“, die als freier Geist der Zeit personifiziert wird. Diese Einheit führt zu einer tiefen inneren Wärme und dem Aufblühen des eigenen Liedes, also der eigenen schöpferischen Kraft, die zuvor im Tal der Enge und Unterdrückung verborgen war.

Die zentrale Botschaft des Gedichts wird in den folgenden Strophen entfaltet: die Notwendigkeit, sich von den „morschen Schranken“ der Vergangenheit zu befreien und sich dem Ruf der Freiheit zu öffnen. Das Gedicht fordert ein entschlossenes Handeln, ein „kühnes Fechten“ mit dem „Schwert des Geistes“, um die Freiheit zu erkämpfen und sie den kommenden Generationen zu sichern. Der Kampf wird als heilig bezeichnet, und die Dichtung ermutigt zu Ausdauer und dem unermüdlichen Streben nach Fortschritt. Die Metapher des Kampfes ist dabei nicht nur als physische Auseinandersetzung, sondern auch als intellektuelle und moralische Auseinandersetzung zu verstehen.

Bemerkenswert ist die Betonung des friedlichen, aber entschlossenen Kampfes: „Ohne Haß und ohne Groll“. Die Dichtung plädiert für einen Kampf, der von Liebe und Hoffnung getragen wird. Das Gedicht gipfelt in der Verkündung des „großen Wortes“ – die zentrale Idee, dass „Gott – der Gedanke“ ist. Diese Aussage ist ein klares Bekenntnis zum Idealismus und zur Bedeutung des Geistes und der Vernunft als Grundlage für Freiheit und Fortschritt.

Der Aufruf zur Befreiung des Geistes gipfelt in dem Appell an das deutsche Volk, keinen Geisteszwang zu dulden und notfalls für die Freiheit einzustehen, selbst wenn dies den Verlust des Lebens bedeutet. Die Zeilen „Und erringe diesem Gott – deinem Geist – das Leben, Rett ihn aus der Ketten Spott, Laß ihn frei erheben.“ verdeutlichen das Ziel, den eigenen Geist zu befreien und dem Denken und der Kreativität die Freiheit zu geben, die sie brauchen, um sich zu entfalten. Die letzte Strophe verstärkt diese Botschaft, indem sie das Volk auffordert, notfalls im Kampf für die Freiheit zu sterben, aber nicht zu kapitulieren. Rolletts Werk ist somit ein leidenschaftlicher Appell zur Befreiung, der Glaube an die Kraft des Geistes und die Freiheit des Denkens zum Ausdruck bringt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.