Aufschwung

Hermann Rollett

1907

Umfange mich du Liebesarm, Du freier Geist der Zeit, Und drück mich an den Busen warm In stiller Seligkeit.

Drück mich in deine Arme lind In weihendem Verein — Du schließest ja ein treues Kind In deine Liebe ein.

Vom Hauch es Lebens heiß durchglüht Thaut mir das Herz dann auf, – Mein Lied, das sonst im Thal geglüht, Hebt dann sich himmelauf.

Und mußt ich früher still im Thal Zum Himmel schauend gehn. So werd ich nun im Sonnenstral Vom Himmel niedersehn.

Hebe dich, du deutsche Kraft, Brich die morschen Schranken! Weil du dich emporgerafft, Darfst du auch nicht wanken.

Sieh, wie dir die Freiheit lacht — Folge ihrem Winken, Um ihr dann mit Liebesmacht An die Brust zu sinken!

Schwinge deines Geists Schwert Als ein kühner Fechter, Zeige dich des Danks wert Kommender Geschlechter!

Ficht in aus den heil′gen Kampf, Den du ernst begonnen, Bis im letzten Todeskrampf Alle Nacht zerronnen.

Ohne Haß und ohne Groll Hebe deine Stimme, Kämpfe stark, doch liebevoll, Daß der Morgen stimme.

Sprich es aus das große Wort In die Welt, die krank, Künd es laut an jedem Ort: Gott ist - der Gedanke!

Und erringe diesem Gott – Deinem Geist — das Leben, Rett ihn aus der Ketten Spott, Laß ihn frei erheben.

Dulde keinen Geisteszwang, Und wills so nicht gehen, Laß ihn unter Schwerterklang — Deutsches Volk — erstehen.

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Illustration zu Aufschwung

Interpretation

Das Gedicht "Aufschwung" von Hermann Rollett ist ein patriotisches und inspirierendes Werk, das den Aufbruch und die Erhebung Deutschlands in einer Zeit des Wandels thematisiert. Der Dichter ruft dazu auf, sich von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien und sich in die Arme der Freiheit zu werfen. Die Metapher des Liebesarms symbolisiert die einladende und schützende Natur der Freiheit, die das deutsche Volk in eine neue Ära der Seligkeit führen soll. Rollett betont die Bedeutung des Aufbruchs und der Erhebung des deutschen Volkes. Er fordert dazu auf, die "morschen Schranken" zu brechen und sich in die Höhe zu erheben, um der Freiheit würdig zu sein. Der Dichter ruft das deutsche Volk dazu auf, mutig und entschlossen zu kämpfen, aber auch liebevoll und ohne Hass. Er betont, dass der Kampf für die Freiheit ein heiliger Kampf ist, der bis zum bitteren Ende geführt werden muss, um die Dunkelheit zu vertreiben und den Morgen der Freiheit zu bringen. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur geistigen Befreiung und zur Anerkennung der Macht des Gedankens. Rollett ruft dazu auf, den Gedanken als Gott zu erkennen und ihn aus den Ketten der Unterdrückung zu befreien. Er fordert das deutsche Volk auf, sich gegen geistige Zwänge zu wehren und sich in einem Aufstand zu erheben, um die Freiheit des Geistes zu erlangen. Das Gedicht ist eine leidenschaftliche und inspirierende Aufforderung zur nationalen Erhebung und geistigen Befreiung.

Schlüsselwörter

geist drück thal himmel hebe stimme gott laß

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Stilmittel

Metapher
Und erringe diesem Gott -- / Deinem Geist — das Leben
Personifikation
Dulde keinen Geisteszwang