Auff ihre schultern

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

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Ist dieses schnee? Nein/ nein/ schnee kan nicht flammen führen. Ist dieses helffenbein? bein weiß nicht weis zu seyn. Ist hier ein glatter schwan? mehr als der schwanen schein/ Ist weiche woll allhier? Wie kan sich wolle rühren? Ist alabaster hie? er wächst nicht bey saphiren/ Ist hier ein liljen-feld? der acker ist zu rein. Was bist du endlich doch? weil schnee und helffenbein/ Weil alabaster/ schwan/ und liljen sich verlieren. Du schaust nun/ Lesbie/ wie mein geringer mund Vor deine schultern weiß kein rechtes wort zu finden/ Doch daß ich nicht zu sehr darf häufen meine sünden/ So macht ein kurtzer reim dir mein gemüthe kund: Muß Atlas und sein hals sich vor dem himmel biegen/ So müssen götter nur auf deinen schultern liegen.

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Illustration zu Auff ihre schultern

Interpretation

Das Gedicht "Auff ihre schultern" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau preist die Schönheit der Schultern der Geliebten Lesbie. Der Sprecher vergleicht sie mit verschiedenen weißen und reinen Elementen wie Schnee, Elfenbein, Schwan, Wolle, Alabaster und Lilienfeld, um ihre makellose Weiße und Anmut zu betonen. Doch keiner dieser Vergleiche scheint angemessen, da sie alle ihre Einzigartigkeit verlieren, wenn sie auf Lesbies Schultern projiziert werden. Die Schultern sind so perfekt, dass sie alle anderen Symbole der Reinheit und Schönheit in den Schatten stellen. Die Unfähigkeit des Sprechers, die richtigen Worte zu finden, um die Schönheit der Schultern zu beschreiben, wird deutlich, als er zugibt, dass sein "geringer Mund vor deine Schultern weiß kein rechtes Wort zu finden". Dies zeigt die Überwältigung und Bewunderung, die er empfindet, und die Schwierigkeit, solche Perfektion in Worte zu fassen. Der kurze Reim am Ende des Gedichts dient dazu, seine Gefühle auszudrücken und die Ehrfurcht vor der Schönheit der Schultern zu verdeutlichen. Der letzte Vers des Gedichts vergleicht Lesbies Schultern mit der legendären Figur des Atlas, der den Himmel auf seinen Schultern trägt. Der Sprecher behauptet, dass genauso wie Atlas sich vor dem Himmel beugen muss, nur Götter auf Lesbies Schultern liegen dürfen. Dies unterstreicht die göttliche und übermenschliche Qualität der Schönheit, die der Sprecher in Lesbies Schultern sieht, und hebt sie auf ein fast unerreichbares Niveau der Vollkommenheit.

Schlüsselwörter

schnee kan helffenbein weiß schwan alabaster liljen schultern

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Muß Atlas und sein hals sich vor dem himmel biegen/ So müssen götter nur auf deinen schultern liegen.
Metapher
Ist dieses helffenbein? bein weiß nicht weis zu seyn.
Parallelismus
Weil schnee und helffenbein/ Weil alabaster/ schwan/ und liljen sich verlieren.
Personifikation
Wie kan sich wolle rühren?
Rhetorische Frage
Ist dieses schnee? Nein/ nein/ schnee kan nicht flammen führen.
Vergleich
Ist hier ein glatter schwan? mehr als der schwanen schein/