Auff ihre haare

Benjamin Neukirch

1684

Laßt Berenicens haupt mit güldnen haaren prangen/ Schreib/ Conon/ wie du wilst/ sie in die sternen ein. Leug/ leug/ Callimachus/ daß wann der tag vergangen Sie dieser unter-welt statt einer lampe seyn. Eur ruhm ist fabel-werck, und wär es auch geschehen/ Was wunder wär es denn ein rothes haar zu sehen? Schaut, meine liebste führt kein feuer auff dem kopffe/ Dann dieses steht allein nur ihren augen an; Ihr haar ist seid und flachs/ und ihrem lichten zopffe Fehlt nichts/ als daß man ihn nicht recht beschreiben kan. Wer wolte sich denn nun nicht willig lassen binden/ Wenn man die fässel kan in solchen stricken finden?

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Interpretation

Das Gedicht "Auff ihre haare" von Benjamin Neukirch ist ein Loblied auf die Haare der Geliebten des lyrischen Ichs. Es beginnt mit einem Seitenhieb auf die berühmten Haare der Berenice, die in der Antike als so schön galten, dass sie zu Ehren der Göttin Aphrodite geopfert wurden. Das lyrische Ich behauptet, dass die Haare seiner Geliebten noch viel schöner sind. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Schönheit der Haare der Geliebten noch detaillierter beschrieben. Sie werden als seidig und flachsig beschrieben, und ihr lichtes Zöpfchen wird als so einzigartig beschrieben, dass man es kaum in Worte fassen kann. Das lyrische Ich schließt mit der Aussage, dass jeder gerne von einer solchen Schönheit "gefesselt" werden würde. Insgesamt ist das Gedicht ein typisches Beispiel für die Minneliebe des Barock. Das lyrische Ich preist die Schönheit seiner Geliebten in höchsten Tönen und vergleicht sie mit den schönsten Frauen der Antike. Das Gedicht ist auch ein Beispiel für die Verwendung von Metaphern und Vergleichen in der Lyrik des Barock.

Schlüsselwörter

leug wär haar kan laßt berenicens haupt güldnen

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Stilmittel

Anspielung
Laßt Berenicens haupt mit güldnen haaren prangen/ Schreib/ Conon/ wie du wilst/ sie in die sternen ein
Hyperbel
Sie dieser unter-welt statt einer lampe seyn
Metapher
Ihr haar ist seid und flachs
Personifikation
Wer wolte sich denn nun nicht willig lassen binden/ Wenn man die fässel kan in solchen stricken finden
Rhetorische Frage
Was wunder wär es denn ein rothes haar zu sehen?
Vergleich
Dann dieses steht allein nur ihren augen an