Auff ihre eifersucht

Benjamin Neukirch

1684

Zürne nicht/ betrübtes hertze! Denn die lebens-volle kertze Meiner liebe brennet noch. Phyllis mag die hoffnung haben; Dein verstand und deine gaben Bleiben doch mein süsses joch.

Ist es möglich/ daß du weinest? Ist es möglich/ daß du meynest/ Daß ich dich verlassen kan? Ey so schaue doch von fernen/ Auch einmahl bey andern sternen Dich/ o sonne/ selber an.

Dein erhobnes angesichte Machet allen glantz zu nichte/ Der die blinde welt bethört. Phyllis selbst muß mit betrüben Sich in deinen mund verlieben/ Wenn sie deine lieder hört.

Alle junge schäferinnen/ Fliehen mit gedult von hinnen/ Wenn sie dich/ o wunder/ sehn. Zephyr steigt aus seinen hölen/ Deine brüste zu beseelen/ Und von neuem auffzuwehn.

Venus wird von zorn entzündet; Weil sie alles an dir findet/ Was ihr nur allein gebührt: Wie solt′ ich denn/ schönste Nymphe/ Dir zu trotz und mir zum schimpffe Hassen/ was die götter rührt?

Dencke selbst/ ich bin getrieben. Ich will/ soll/ und muß dich lieben. Nichts reist meinen fürsatz ein. Denn was du einmahl gebohren/ Muß/ geht alles gleich verlohren/ Dennoch unvergänglich seyn.

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Illustration zu Auff ihre eifersucht

Interpretation

Das Gedicht "Auff ihre eifersucht" von Benjamin Neukirch ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung, in der der Sprecher seine unerschütterliche Zuneigung zu seiner Geliebten zum Ausdruck bringt. Trotz der Eifersucht, die sie empfindet, versichert er ihr, dass seine Liebe unverändert bleibt und sie die Einzige ist, die sein Herz besitzt. Der Sprecher betont, dass seine Liebe zu ihr stark genug ist, um alle Zweifel und Ängste zu überwinden. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an seine Geliebte und versucht, ihre Ängste zu zerstreuen. Er fordert sie auf, sich selbst aus der Ferne zu betrachten, um zu erkennen, wie außergewöhnlich sie ist. Der Sprecher beschreibt sie als eine Sonne, deren Anwesenheit alles andere in den Schatten stellt und selbst die Göttin Venus eifersüchtig macht. Er betont, dass ihre Schönheit und ihr Talent so einzigartig sind, dass sie die Aufmerksamkeit aller auf sich ziehen. Im letzten Teil des Gedichts bekräftigt der Sprecher seine Liebe und sein Engagement für seine Geliebte. Er erklärt, dass seine Gefühle für sie unauslöschlich sind und dass nichts sie ändern kann. Der Sprecher vergleicht seine Liebe mit einer Geburt, die, selbst wenn sie verloren geht, unvergänglich bleibt. Dies zeigt die Tiefe und Beständigkeit seiner Gefühle, die er als unvermeidlich und unaufhaltsam beschreibt.

Schlüsselwörter

muß phyllis möglich einmahl selbst zürne betrübtes hertze

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Dein verstand und deine gaben
Bildsprache
Auch einmahl bey andern sternen Dich/ o sonne/ selber an.
Hyperbel
Dein erhobnes angesichte Machet allen glantz zu nichte/ Der die blinde welt bethört.
Kontrast
Denn was du einmahl gebohren/ Muß, geht alles gleich verlohren/ Dennoch unvergänglich seyn.
Metapher
Denn die lebens-volle kertze Meiner liebe brennet noch.
Parallelismus
Ich will/ soll, und muß dich lieben.
Personifikation
Phyllis mag die hoffnung haben; Dein verstand und deine gaben Bleiben doch mein süsses joch.