Auff ihre augen
1665Ihr habet mich besiegt/ ihr himmel-blauen augen/ Ihr sollet auch allein Nur meine freude seyn/ Wenn andre blitz und tod aus braunen augen saugen/ Wann sie das schwarze pech biß an den pol erhöhn/ Und dennoch, wann es brennt/ für schmertzen fast vergehn/ So seh ich nichts als lust aus euren sternen lachen/ Ihr seyd mir/ hab ich gleich Nicht geld und große sachen/ Mein gantzes königreich. Ja/ wenn ein ander sich in schwartzen augen siehet/ Und meynet/ daß er schon im feur und hölle steh, So denck ich/ wann mein bild aus euren äpffeln blühet/ Daß ich auff erden mich in einem himmel seh. O himmel/ schütze dann/ weil sie allein nur taugen Dein ebenbild zu seyn/ stets meiner liebsten augen.
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Interpretation
Das Gedicht "Auff ihre augen" von Benjamin Neukirch ist eine Liebeserklärung an die blauen Augen der Geliebten. Der Sprecher preist die Augen als Quelle seiner Freude und als sein ganzes Königreich. Er kontrastiert sie mit braunen Augen, die er mit Blitz und Tod assoziiert, und mit schwarzen Augen, die er mit Feuer und Hölle in Verbindung bringt. Die blauen Augen hingegen strahlen nur Lust aus und lassen den Sprecher glauben, sich auf Erden in einem Himmel zu sehen. Das Gedicht ist in jambischen Versen geschrieben und folgt einem Reimschema von AABBCCDD. Die Sprache ist reich an Bildern und Metaphern, die die Schönheit und Anziehungskraft der blauen Augen betonen. Der Sprecher verwendet Wörter wie "Himmel", "Sterne", "Taugen" und "Ebenbild", um die Augen als göttlich und vollkommen zu beschreiben. Er vergleicht sie auch mit Äpfeln, die blühen, was auf ihre Fruchtbarkeit und ihr Wachstum hindeutet. Das Gedicht ist ein Beispiel für die Tradition der Liebessonette, die im 17. Jahrhundert in Deutschland populär waren. Es zeigt die Einflüsse der italienischen und englischen Sonett-Dichtung, aber auch die Eigenheiten der deutschen Sprache und Kultur. Das Gedicht drückt eine tiefe und leidenschaftliche Liebe aus, die durch die Augen der Geliebten vermittelt wird. Es ist ein zeitloses Zeugnis der Macht der Augen als Fenster zur Seele.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- O himmel/ schütze dann/ weil sie allein nur taugen/ Dein ebenbild zu seyn/ stets meiner liebsten augen
- Hyperbel
- Wenn andre blitz und tod aus braunen augen saugen
- Metapher
- Daß ich auff erden mich in einem himmel seh
- Personifikation
- Ihr sollet auch allein Nur meine freude seyn