Auff einen namens-tag

Daniel Caspar von Lohenstein

1695

O Venus leihe mir den zierath deiner wahre/ Vergiß ja keine schminck/ umzircke doch die haare Der schönsten Tharackin/ nimm diamanten-stein/ Und was noch köstlicher alls alles diß kan seyn/ Das leg′ ihr um das haupt. Vergiß auch nicht der ohren/ Laß deinen kleinen sohn bald lauffen zu den mohren/ Und bringen perlen her/ die jenen gäntzlich gleich/ So die Cleopatra/ da sie ihr schönes reich Zu zeigen emsig war/ in einer nacht verschwendet; Damit das schöne haupt/ dem wir so hoch verpfändet/ Noch schöner möge seyn/ und dessen wunder-pracht Zu zeigen/ wie ein stern/ der bey gewölckter nacht Den weiten himmel ziert; komm Flora/ binde kräntze/ Ihr Nymphen säumt euch nicht/ und heget neue täntze Um eure königin. Bekennet auch dabey/ Daß ihr berühmter leib der schatz der schönheit sey. Ach könt ich Paris seyn! solt ich ein urtheil fällen! Wem doch mit würden sey der apffel zuzustellen/ Den Venus überkam; Ich nähme deine hand/ Ich gäb′ ihr einen kuß/ und dieses schönheits-pfand.

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Illustration zu Auff einen namens-tag

Interpretation

Das Gedicht "Auff einen namens-tag" von Daniel Caspar von Lohenstein ist eine Huldigung an eine außergewöhnlich schöne Frau, die als "Tharackin" bezeichnet wird. Der Sprecher fleht Venus an, der Dame ihre schönsten Schmuckstücke zu leihen, darunter Diamanten und Perlen, um ihre bereits große Schönheit noch zu steigern. Die Anspielung auf Kleopatras verschwenderische Nacht mit Perlen unterstreicht die Kostbarkeit und den Wert der angesprochenen Frau. Der Sprecher imaginiert, wie die Göttin Flora Kränze bindet und Nymphen um ihre Königin tanzen, um die göttliche und königliche Natur der Schönheit zu betonen. Der Sprecher drückt den Wunsch aus, Paris zu sein, der berühmte Schiedsrichter des Schönheitswettstreits zwischen den Göttinnen. Er würde der Dame den Apfel der Venus überreichen und ihr die Hand küssen, um seine tiefe Bewunderung und Verehrung zu zeigen. Dies unterstreicht die Idee, dass die Schönheit der Frau so überwältigend ist, dass sie sogar die Göttinnen in den Schatten stellt. Der Apfel symbolisiert die höchste Auszeichnung und Anerkennung, die man einer Frau zuteilwerden lassen kann. Das Gedicht ist eine üppige und übertriebene Lobpreisung, die die Schönheit der Frau als etwas Göttliches und Unvergleichliches darstellt. Die Verwendung mythologischer Anspielungen und die Bitte um göttliche Hilfe, um die Dame zu schmücken, verstärken die Idee, dass ihre Schönheit jenseits menschlicher Maßstäbe liegt. Der Sprecher positioniert sich als bescheidener Bewunderer, der bereit ist, die höchste Ehre zu verleihen, und betont damit die überwältigende Wirkung der Schönheit der Frau auf ihn.

Schlüsselwörter

seyn venus vergiß haupt zeigen nacht sey leihe

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Stilmittel

Allegorie
Ach könt ich Paris seyn! solt ich ein urtheil fällen!
Anapher
Vergiß ja keine schminck/ umzircke doch die haare
Apostrophe
O Venus leihe mir den zierath deiner wahre
Hyperbel
So die Cleopatra/ da sie ihr schönes reich/ Zu zeigen emsig war/ in einer nacht verschwendet
Metapher
wie ein stern/ der bey gewölckter nacht/ Den weiten himmel zirt
Personifikation
laß deinen kleinen sohn bald lauffen zu den mohren
Vergleich
So die Cleopatra/ da sie ihr schönes reich/ Zu zeigen emsig war/ in einer nacht verschwendet