Auff eben denselben
1697Wie artig trifft der mensch doch mit den blumen ein/ Die heute prächtig stehn und morgen doch verschwinden! Da lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn/ Und sich die farben nur auff kurtze zeit verbinden. Was arbeit kost es nicht/ eh man das dürre feld Kan zu der nutzbarkeit der blumen tüchtig machen? Was mühe steht es nicht/ eh wir die blinde welt Und ihre phantasey recht wissen auszulachen? Und wenn die blumen nun in vollem purpur stehn/ Und hier die lilien/ dort silberne narcissen/ Und da die tulipen mit samen schwanger gehn/ So wird die gantze pracht durch wind und sturm zerrissen: So wenn wir kaum den schaum der erden angeblickt/ Und erst die balsam-krafft der bücher angerochen/ So wird uns durch den tod der kluge kopff verrückt/ Und unser leben so wie blumen abgebrochen. Drüm zieht ihr traurigen die müden thränen ein/ Weil unser wesen doch nicht eher kan bestehen/ Als biß wir endlich auch wie dürre blätter seyn/ Und unsre glieder so wie blumen untergehen. Der todte tritt nunmehr in himmels-garten ein/ Und wie die blumen sich verdoppeln in der erden; So wird er/ weil er nicht kan irrdisch fruchtbar seyn/ Im himmel allererst zur vollen blume werden.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Auff eben denselben" von Benjamin Neukirch vergleicht das menschliche Leben mit der vergänglichen Schönheit der Blumen. Der Dichter betont, wie vergänglich und flüchtig das Leben ist, indem er die Blumen als Symbol für die Kürze des menschlichen Daseins verwendet. Die Blumen stehen heute prächtig, um morgen bereits zu verschwinden, ähnlich wie das menschliche Leben von Lust und Traurigkeit geprägt ist und sich ständig im Wandel befindet. Neukirch verdeutlicht die Mühe und Arbeit, die es kostet, die Erde fruchtbar zu machen und die Welt zu verstehen. Doch selbst wenn die Blumen in voller Pracht erblühen, werden sie durch Wind und Sturm zerstört. Ebenso wird das menschliche Leben durch den Tod beendet, noch bevor man die volle Weisheit und Schönheit des Lebens erfassen kann. Der Dichter betont die Traurigkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Daseins, das nur so lange bestehen kann, bis man wie trockene Blätter und Blumen vergeht. Der letzte Teil des Gedichts bietet jedoch einen Hoffnungsschimmer. Der Tote tritt in den Himmelgarten ein, wo er, wie die Blumen auf der Erde, sich verdoppeln wird. Im Himmel wird der Mensch, der auf Erden keine fruchtbare Wirkung entfalten konnte, zur vollen Blüte gelangen. Neukirch deutet an, dass das menschliche Leben auf Erden vergänglich ist, aber im Jenseits eine ewige und vollkommene Existenz erwartet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Was arbeit kost es nicht/ er man das dürre feld kan zu der nutzbarkeit der blumen tüchtig machen
- Metapher
- Im himmel allererst zur vollen blume werden
- Personifikation
- Lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn
- Vergleich
- Und wie die blumen sich verdoppeln in der erden