Auff die Perlitz-Mühlendorffische Hochzeit

Benjamin Neukirch

1727

Das grüne feigenblat/ das Adam vor sich nahm/ War kaum mit schlechter kunst um seinen leib gewunden/ Als Eva schon bey sich in die gedancken kam: Ey/ warum haben wir uns beyde doch verbunden? Ist Adam so wie ich an gliedern auch bestellt/ So dürffen wir uns ja nicht vor einander schämen? Und führt er sonsten was/ das etwan mir gefällt/ Warum will die natur mir mein geschencke nehmen? Sie hätte noch vielmehr der sachen nachgedacht/ Was aber ließ sie doch die kurtze zeit umfassen? Weil gleich den augenblick das urtheil ward gebracht: Sie solten beyderseits das paradieß verlassen. Nach diesem schlug das feur zwar frische flammen an/ Sie fand sich aber noch zu zeiten sehr betrogen; Denn Adam war nunmehr mit peltzen angethan/ Und hatte leib und haut mit fellen überzogen. Wer war wohl ärmer nun als Eva dazumahl? Sie mischte speiß und tranck mit kummer-reichen thränen; Ihr hertze war voll angst/ die seele voller qual/ Und muste sich umsonst nach ihrer kühlung sehnen. Doch weil sie mittler zeit noch solche grillen fieng/ Und der gedancken schiff ließ hin und wieder fliegen/ Geschah es ungefähr/ daß sie zu felde gieng/ Und ihren Adam fand im grünen grase liegen. Sein leib war mehrenteils von kleidern unbedeckt/ Die glieder streckten sich/ wie silberne Colossen/ Nur diß/ was die natur zum zunder ausgesteckt/ War noch zu mehrer lust in rauches fell verschlossen. Wie/ wenn nach trüber nacht der schwartze schatten weicht/ Wenn himmel/ wolck und lufft in reinem golde strahlen/ Alsdenn der kühle thau die felder überstreicht/ Und sich die tulipen mit frischem purpur mahlen. So zog der Even hertz den freuden-balsam an; Die adern stürtzten sich in geister-volle flammen/ Und was ihr ehermahls das gröste leid gethan/ Schlug itzt in einen dampff der grösten lust zusammen. Sie fiel vor süsser qual in den begrünten klee/ Die füsse suncken ihr bey ihrem Adam nieder/ Und endlich drückte sie des leibes zarten schnee/ Und ihre schwanen-brust an seine marmel-glieder. Der stirne taffel-werck/ des halses helffenbein/ Der lichte carmasin der rothen mund-corallen/ Die alle dauchten ihr nur leerer schaum zu seyn/ Auff die ein heisser mund läßt seine küsse fallen. Sie forschte weiter nach/ und blößte seinen schooß/ Ihr finger rührte sich um seine weiche lenden; Da war sie völlig nun der alten sorgen loß/ Und schaute den betrug in ihren liljen-händen. Ja/ sprach sie/ voller scham/ das hab ich wohl gedacht/ Daß Adam nicht umsonst die blätter vorgenommen; Wer aber hat ihm nur den plunder angemacht/ Und wo ist Adam doch zu diesem schaden kommen? Doch/ was bedenck ich mich? die brust ist ja zu klein; Vielleicht hat die natur mir meinen mann betrogen/ Und hat/ was sonsten soll am busen oben seyn/ Durch ihre wunder-kunst biß unten hin gezogen. Ich weiß nicht/ ob sie gar zu laute worte sprach: Denn Adam fieng nun an vom schlaffe zu erwachen: Doch als er endlich sah/ was Even noch gebrach/ Da must er bey sich selbst der blinden einfalt lachen. Er schloß ihr zartes haupt mit seinen armen ein/ Und netzte mund und hand mit hundert tausend küssen/ Biß daß die stille krafft der unbekandten pein/ Ihm ließ das sanffte gifft durch seine nieren fliessen. Da schärfft er allererst der Even den verstand/ Sie laß aus seiner hand die süssen zucker-beeren/ Und beyde wünschten nun/ daß diß versüßte band/ Und diese stunden doch nur möchten ewig währen. Hierauff zerfloß ihr geist durch die zerstreute welt/ Der starcke dampff ergriff den gantzen kreyß der erden/ Und selbst im himmel ward der feste schluß gefällt: Es solten künfftig nun aus jungfern frauen werden. Was wunder ist es denn/ daß euch/ geehrtes paar/ Das anmuths-volle garn der liebes-lust umschlossen? Weil diese süsse noth unüberwindlich war/ Und euer gefängniß selbst aus Adams schooß geflossen. Was fleisch ist/ sauget auch vom fleische seine krafft/ Und wer ist der mir will mit worten widerstreben? Daß nicht/ weil Eva sich am apffel hat vergafft/ Die engel oben nur/ und unten menschen leben? Ihr thut/ was die natur auff erden eingesetzt/ Was selbst der himmel hat in eure brust geschrieben; Was auch das Alterthum vor reine lust geschätzt/ Und fast vor aller welt ist unverworffen blieben. Drum kan der himmel euch auch nicht zuwider seyn. Das glücke wird euch stets in vollen ampeln brennen/ Und dieser zeiten gifft wird durch der sorgen pein/ So wenig eure lust/ als die gemüther trennen; Wo euer fuß hintritt/ da werden rosen stehn/ Doch solt ihr beyde nicht die scharffe dornen fühlen; Sie soll als eine braut in balsam ströhmen gehn/ Und er soll lebens-lang mit jungfer-äpffeln spielen. Wo hätt’ ihr besser wohl eur leben angebracht? Wie solt eur freuden-baum wohl andre früchte tragen/ Als itzt/ da eure lust in voller blüte lacht/ Und eure liebe muß in tausend knospen schlagen? Seyd eurem glücke nur nicht selber hinderlich/ Und lasst den perlen-thau nicht in der lufft zerfliegen/ Denn freut euch beyderseits/ wenn um Jacobi sich Ein junger Perlitz wird in seiner muschel wiegen.

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Interpretation

Das Gedicht "Auff die Perlitz-Mühlendorffische Hochzeit" von Benjamin Neukirch ist eine humorvolle und erotische Interpretation der Geschichte von Adam und Eva, die als Allegorie für die Hochzeitsfreude dient. Das Gedicht beginnt mit der Schilderung von Evas Neugier und ihrem Wunsch, mehr über Adams Körper zu erfahren, was zu einer spielerischen und sinnlichen Begegnung führt. Die Sprache ist reich an metaphorischen und bildhaften Beschreibungen, die die erotische Spannung und die Freude an der Entdeckung neuer Empfindungen betonen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Intimität zwischen Adam und Eva weiter vertieft, wobei die Natur als Zeuge ihrer Vereinigung dient. Die Beschreibung ihrer körperlichen Nähe ist voller sinnlicher Bilder, die die Leidenschaft und das Vergnügen ihrer Begegnung unterstreichen. Das Gedicht endet mit einem optimistischen Ausblick auf die Zukunft des Paares, wobei die Hoffnung auf ein glückliches und erfülltes Leben zusammen zum Ausdruck kommt. Insgesamt ist das Gedicht eine Feier der Liebe und der Ehe, die durch die humorvolle und erotische Neuinterpretation der biblischen Geschichte eine fröhliche und lebendige Atmosphäre schafft. Es ermutigt das Brautpaar, ihre gemeinsame Zukunft mit Freude und Leidenschaft zu gestalten, und wünscht ihnen ein Leben voller Glück und Harmonie.

Schlüsselwörter

adam lust natur himmel selbst leib eva bey

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Sie fiel vor süsser qual in den begrünten klee
Anspielung
daß euch/ geehrtes paar/ Das anmuths-volle garn der liebes-lust umschlossen
Bildsprache
Wie/ wenn nach trüber nacht der schwartze schatten weicht/ Wenn himmel/ wolck und lufft in reinem golde strahlen
Enjambement
Doch weil sie mittler zeit noch solche grillen fieng/ Und der gedancken schiff ließ hin und wieder fliegen
Hyperbel
Und netzte mund und hand mit hundert tausend küssen
Ironie
Ich weiß nicht/ ob sie gar zu laute worte sprach: Denn Adam fieng nun an vom schlaffe zu erwachen
Metapher
Das grüne feigenblat/ das Adam vor sich nahm/ War kaum mit schlechter kunst um seinen leib gewunden/ Als Eva schon bey sich in die gedancken kam
Parallelismus
Und was ihr ehermahls das gröste leid gethan/ Schlug itzt in einen dampff der grösten lust zusammen
Personifikation
Weil gleich den augenblick das urtheil ward gebracht: Sie solten beyderseits das paradieß verlassen
Symbolik
Und selbst im himmel ward der feste schluß gefällt: Es solten künfftig nun aus jungfern frauen werden
Vergleich
Die glieder streckten sich/ wie silberne Colossen