Auff die neue Fräuleinschafft

Christian Wernicke

1909

Dass mancher itzt heisst Wollgebohren, Der erst die Schuh′, hernach den Bahrt vor Lohn geputzt; Das klingt was hart in meinen Ohren; Doch wenn das Wort der Sache nutzt, So geb′ ich alles nach, und ich bin nicht entrüsst, Dass man die Fräulein heisst, die keine Jungfer ist.

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Interpretation

Das Gedicht "Auff die neue Fräuleinschafft" von Christian Wernicke thematisiert die Veränderung des gesellschaftlichen Ansehens und der Titelvergabe im 18. Jahrhundert. Es beginnt mit einer Kritik an der Praxis, Personen, die einst als "Wollgebohren" (wohlhabend geboren) galten, nun für ihre Dienste als Schuhputzer oder Bahrtuchträger zu entlohnen. Diese Entwicklung erscheint dem Sprecher hart und ungewohnt. Der zweite Teil des Gedichts reflektiert über die Verwendung des Titels "Fräulein". Der Sprecher scheint sich mit der Tatsache abzufinden, dass der Titel auch auf Frauen angewendet wird, die keine Jungfrauen mehr sind. Dies deutet auf eine Veränderung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und den Umgang mit Titeln und Status hin. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Haltung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen. Während der Sprecher anfangs kritisch gegenüber der neuen Praxis ist, zeigt er sich am Ende bereit, sich diesen Veränderungen anzupassen. Das Gedicht spiegelt somit die Spannung zwischen traditionellen Werten und modernen Entwicklungen wider.

Schlüsselwörter

heisst mancher itzt wollgebohren erst schuh hernach bahrt

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schuh′, hernach den Bahrt
Hyperbel
hernach den Bahrt
Kontrast
Die Fräulein heisst, die keine Jungfer ist
Metapher
Dass mancher itzt heisst Wollgebohren
Wortspiel
Wollgebohren