Auff die krönung des Römischen Königs Josephi
1684Europa zanckte sich und wolte gerne wissen/ Wer in Germanien noch würde könig seyn. Der stoltze Ludewig war äusserst drauff beflissen/ Wie er das deutsche reich möcht auseinander streun: Drum spahrt’ er weder gelt/ noch müh und schmeicheleyen/ Und bot sein eignes kind zu einem käyser an: Wer/ sprach er/ wird euch mehr als dieser Printz erfreuen/ Der so/ wie ich/ die kunst sich zu vergrössern kan? Allein der himmel rieff: Behalte deine Gaben/ Ich will ein Josephs-Hertz und keinen Nero haben.
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Interpretation
Das Gedicht "Auff die krönung des Römischen Königs Josephi" von Benjamin Neukirch thematisiert die politischen Spannungen in Europa und das Streben Ludwigs nach Macht. Europa war gespannt darauf, wer in Germanien noch König sein würde, während der stolze Ludwig äußerst darauf bedacht war, das deutsche Reich auseinanderzutreiben. Er scheute weder Geld noch Mühe und Schmeichelei und bot sogar sein eigenes Kind als Kaiser an, in der Hoffnung, dass dieser Prinz ihn mehr erfreuen würde als jeder andere. Ludwig betonte, dass sein Sohn wie er selbst die Kunst der Vergrößerung beherrsche. Doch der Himmel rief: "Behalte deine Gaben, ich will ein Josephs-Hertz und keinen Nero haben." Mit diesen Worten lehnt der Himmel Ludwigs Angebot ab und zeigt seine Ablehnung gegenüber dessen Machtstreben und dem Wunsch, sein eigenes Kind auf den Thron zu bringen. Der Himmel bevorzugt einen gerechten Herrscher wie Joseph, anstatt einen Tyrannen wie Nero. Das Gedicht verdeutlicht somit die Spannungen zwischen Ludwigs Machtstreben und dem Wunsch des Himmels nach einem gerechten Herrscher. Es kritisiert Ludwigs Ambitionen und zeigt die Ablehnung des Himmels gegenüber seinem Angebot. Die Zeilen verdeutlichen auch den Kontrast zwischen einem Herrscher wie Joseph, der Gerechtigkeit und Weisheit verkörpert, und einem Tyrannen wie Nero, der für seine Grausamkeit und Willkürherrschaft bekannt war.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Europa zanckte sich
- Anspielung
- Allein der himmel rieff: Behalte deine Gaben/ Ich will ein Josephs-Hertz und keinen Nero haben
- Hyperbel
- Wie er das deutsche reich möcht auseinander streun
- Metapher
- Der stoltze Ludewig
- Personifikation
- Europa zanckte sich
- Rhetorische Frage
- Wer/ spricht er/ wird euch mehr als dieser Printz erfreuen