Auff den tod Friedrich Wilhelms

Benjamin Neukirch

1727

Auff den tod Friedrich Wilhelms/ Churfürstens zu Brandenburg

Schau Deutschland! wo du kanst für blut und thränen sehn/ Es ist um deinen sohn und deine ruh geschehn! Denn Friedrich Wilhelm fällt und du mit ihm darnieder. Beym kriege ward er jung/ bey kriege stirbt er wieder. Damahls zu rechter zwar/ itzt zu verkehrter zeit: Denn wer vermisset wohl nicht seine tapfferkeit? Was dir in tausenden kaum wieder wird gebohren/ Hast du in einem hier auff einen tag verlohren. Er hat am ersten uns die augen auffgethan/ Was/ wenn die noth anbricht/ ein deutscher Churfürst kan. Zwey reiche fiengen an für seiner macht zu wancken; Zwey kronen haben ihm auch ihre ruh zu dancken; Und zwey/ die alle welt zum morden auffgeweckt/ Hat er/ und zwar allein/ durch seinen muth erschreckt. Viel freunde haben ihn/ er selten sie/ verlassen; Die feinde konten ihn/ auch wenn er schlug/ nicht hassen; Es kennt ihn Africa/ und Stambol glaubte gar/ Daß er was mehrers wär/ als er doch würcklich war; Ja Franckreich wolte sich nicht eh’ zu felde wagen/ Als biß es diesen held sah tod zu grabe tragen. Jedoch verzweiffle nicht/ geliebtes vaterland! Sein geist hat sich von dir nur darum abgewand/ Daß er/ wenn deine noth einst wird am höchsten steigen/ Sich wie Elias kan im sohne doppelt zeigen.

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Illustration zu Auff den tod Friedrich Wilhelms

Interpretation

Das Gedicht "Auff den tod Friedrich Wilhelms" von Benjamin Neukirch ist ein Trauergedicht für den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der am 18. April 1688 starb. Es beginnt mit einem Appell an Deutschland, die Trauer um den Verlust des Kurfürsten zu erkennen und zu teilen. Der Autor betont die Bedeutung Friedrich Wilhelms für das Land, sowohl in seiner Jugend als auch in seinem Tod. Der Verlust wird als besonders schmerzlich empfunden, da seine Tapferkeit und sein Einfluss unersetzlich sind. Im zweiten Teil des Gedichts wird die herausragende Rolle Friedrich Wilhelms in der europäischen Politik gewürdigt. Er wird als ein Mann dargestellt, der zwei reiche Länder ins Wanken brachte, zwei Kronen zu Frieden verhalf und zwei Länder, die die Welt zum Mord aufriefen, durch seinen Mut allein erschreckte. Seine Freunde und Feinde respektierten ihn gleichermaßen, und seine Bekanntheit reichte bis nach Afrika und Konstantinopel. Sogar Frankreich wagte es nicht, gegen ihn in den Krieg zu ziehen, solange er lebte. Im letzten Teil des Gedichts findet der Autor Trost für das Vaterland. Obwohl der Geist Friedrich Wilhelms sich von Deutschland abgewandt hat, wird erwartet, dass er in einer Notlage wie der Prophet Elia im doppelten Maße im Sohn erscheinen wird. Dies deutet auf die Hoffnung hin, dass Friedrich Wilhelms Erbe und Einfluss durch seinen Sohn, den späteren König Friedrich I. von Preußen, fortbestehen und in einer kritischen Situation erneut zum Tragen kommen werden.

Schlüsselwörter

zwey auff tod friedrich ruh kriege zwar noth

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Stilmittel

Bildsprache
Daß er/ wenn deine noth einst wird am höchsten steigen/ Sich wie Elias kan im sohne doppelt zeigen
Hyperbel
Was dir in tausenden kaum wieder wird gebohren/ Hast du in einem hier auff einen tag verlohren
Metapher
Sein geist hat sich von dir nur darum abgewand
Personifikation
Schau Deutschland! wo du kanst für blut und thränen sehn