Auff den Tag Nicolai
1657Avff! steckt die Lichter an! vmbgürttet eure Lenden Das/ wenn der Herr kommt man alsbald auff thu O selig! die er nicht auß fauler Ruh Wird in die grausam Angst der stetten Marter senden/ Wol dem der embsig wacht/ der mit geschwinden Händen Ihm wenn er klopfft: es sey denn oder nu/ Die Thür ent schleust. Er rufft ihm frölich zu Du treuer Knecht ich wil dein langes Dienen enden! Er wird zu seinem Tische setzen/ Er wird mit höchster Lust ergetzen; Diesen/ der auff seine Zukunfft immerdar sich fertig machet/ Wir können nicht die Stund′ außsprechen; Doch wird er vnversehns einbrechen: Menschen ach seyd vnverdrossen/ euer Heil ligt hieran/ wachet!
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Interpretation
Das Gedicht "Auff den Tag Nicolai" von Andreas Gryphius ist ein geistliches Gedicht, das die Erwartung der Wiederkunft Christi thematisiert. Der Titel bezieht sich auf den Gedenktag des Heiligen Nikolaus, der am 6. Dezember gefeiert wird. Das Gedicht ruft die Gläubigen dazu auf, wachsam und bereit zu sein für das Kommen des Herrn, da dieser Tag unerwartet kommen wird. Gryphius verwendet dabei eine Sprache, die von Dringlichkeit und Erwartung geprägt ist. Die erste Strophe des Gedichts fordert die Leser auf, sich auf das Kommen des Herrn vorzubereiten. Die Metapher der angezündeten Lichter und der umgürteten Lenden symbolisiert die Bereitschaft und Wachsamkeit. Diejenigen, die in "fauler Ruh" verharren, werden in die "grausam Angst der stetten Marter" geschickt, was die Konsequenzen der Unvorbereitetheit verdeutlicht. Gryphius betont die Wichtigkeit des ständigen Wachens und der Bereitschaft, auf das Zeichen des Herrn zu reagieren. In der zweiten Strophe wird die Belohnung für die Treue und Wachsamkeit beschrieben. Der treue Knecht, der auf das Kommen des Herrn vorbereitet ist, wird von diesem erkannt und belohnt. Die Einladung zu Tisch und die "höchste Lust" symbolisieren die ewige Gemeinschaft mit Gott und die Freude, die den Gläubigen im Himmel erwartet. Gryphius vermittelt hier die Idee, dass die Vorbereitung auf das Jenseits ein Leben lang andauern sollte. Die letzte Strophe unterstreicht die Ungewissheit des Zeitpunkts der Wiederkunft Christi. Gryphius mahnt die Menschen, nicht entmutigt zu sein, sondern standhaft in ihrem Glauben zu bleiben. Das Heil der Menschen hängt von ihrer Wachsamkeit und Bereitschaft ab. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum Wachen, der die Dringlichkeit und die Notwendigkeit der ständigen geistlichen Bereitschaft betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Avff! steckt die Lichter an!
- Hyperbel
- O selig! die er nicht auß fauler Ruh / Wird in die grausam Angst der stetten Marter senden
- Metapher
- vmbgürttet eure Lenden
- Parallelismus
- Er wird zu seinem Tische setzen / Er wird mit höchster Lust ergetzen
- Personifikation
- Er rufft ihm frölich zu
- Vorausdeutung
- Menschen ach seyd vnverdrossen/ euer Heil ligt hieran/ wachet!