Auff den Tag deß Apostels Andreæ
1650Es fahre was mich hält! es fahre Schiff vnd Netze! Es fahre Gunst vnd Ruhm! es fahre Pracht vnd Geld! Es fahre Schein vnd Ehr! es fahre/ was die Welt Hoch/ Groß vnd herrlich nennt! was acht ich ihrer Schätze? Mein Schatz/ auff den ich Gut/ Hertz/ Haab vnd Geister setze Ist einig meine Lust! ob schon der Himmel fällt Doch wil ich durch ihn stehn/ was acht ich/ ob das Zelt Der Erden mir zu eng′/ vnd ob man Schwerdter wetze Auff diß mein irrdisch Fleisch? ihr Feinde schnaubt vnd thut Was Grimm vnd Haß euch lehrt! vergiest die Handvol Blutt Zureist den schwachen Leib/ zutrent diß matte Leben! O seelig/ wenn ich frey von dieser Glieder Band Durch diß was sterben heist/ dir Jesu in die Hand Zum Pfand verliebter Treu/ die Seele werde geben!
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Interpretation
Das Gedicht "Auff den Tag deß Apostels Andreæ" von Andreas Gryphius ist ein tiefgründiges Bekenntnis zum christlichen Glauben und zur Bereitschaft, weltliche Güter und das eigene Leben für die ewige Seele aufzugeben. Gryphius drückt seine Entschlossenheit aus, sich von allen irdischen Bindungen zu lösen, einschließlich Ruhm, Reichtum und Ehre, die er als vergänglich und bedeutungslos im Vergleich zur ewigen Seele ansieht. Der Apostel Andreas dient als Vorbild für diese radikale Hingabe an den Glauben, da er bereit war, sein Leben für Christus zu opfern. In den folgenden Versen verdeutlicht Gryphius seine unerschütterliche Entschlossenheit, selbst inmitten von Verfolgung und Tod standhaft zu bleiben. Er zeigt sich unbeeindruckt von den Drohungen und dem Zorn seiner Feinde und betont, dass er bereit ist, durch den Himmel selbst zu gehen, wenn es nötig ist. Diese Metapher unterstreicht die Intensität seines Glaubens und seine Bereitschaft, alles für die ewige Seele zu opfern. Das Gedicht endet mit einer hoffnungsvollen und erlösenden Vision, in der Gryphius sich vorstellt, nach dem Tod frei von den Fesseln des irdischen Körpers zu sein und seine Seele Jesus in die Hand zu geben. Diese Übergabe wird als "Pfand verliebter Treu" beschrieben, was die tiefe und liebevolle Beziehung zwischen dem Gläubigen und Christus ausdrückt. Gryphius sieht den Tod nicht als Ende, sondern als Übergang zu einer ewigen und glückseligen Existenz in den Händen Jesu.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Es fahre was mich hält! es fahre Schiff vnd Netze! Es fahre Gunst vnd Ruhm! es fahre Pracht vnd Geld! Es fahre Schein vnd Ehr! es fahre/ was die Welt Hoch/ Groß vnd herrlich nennt! was acht ich ihrer Schätze?
- Apostrophe
- O seelig, wenn ich frey von dieser Glieder Band
- Enjambement
- Doch wil ich durch ihn stehn/ was acht ich/ ob das Zelt Der Erden mir zu eng′/ vnd ob man Schwerdter wetze
- Hyperbel
- ob schon der Himmel fällt
- Kontrast
- Zureist den schwachen Leib/ zutrent diß matte Leben!
- Metapher
- mein Schatz/ auff den ich Gut/ Hertz, Haab vnd Geister setze
- Personifikation
- was acht ich/ ob das Zelt Der Erden mir zu eng′
- Symbolik
- Zum Pfand verliebter Treu/ die Seele werde geben!