Auff den Sontag deß wider erscheinenden Richters

Andreas Gryphius

1650

Schau′t schau′t ihr Völcker schau′t/ die schweren Wunder-Zeichen! Das grosse Firmament/ der Himmel Krafft zubricht/ Der Monden steht in Blutt/ es schwind′t der Sternen Licht Man siht die klare Sonn in hellem Tag erbleichen. Die auffgeschwellte See wil über Berge reichen/ Wer hört der Winde Gri i/ der Lüffte Rasen nicht? Ein ieder Mensch verschmacht/ vnd weiß nicht was er spricht Vor grosser Hertzens Angst. Die rauen Felsen weichen. Auch zittert Berg′ vnd Thal. O Herr der Herrligkeit Der du in Feur′ die Welt zu richten dich bereit. Hilff/ daß ich ja mein Hertz mit Sünden nicht beschwere! Weck auff Herr/ wenn mich Sorg vnd Sicherheit anfält/ Daß/ wenn dein harter Zorn einbricht die grosse Welt/ Mich nicht der Donnerstral deß letzten Tag′s verzehre!

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Illustration zu Auff den Sontag deß wider erscheinenden Richters

Interpretation

Das Gedicht "Auff den Sontag deß wider erscheinenden Richters" von Andreas Gryphius ist eine eindringliche Beschreibung der apokalyptischen Visionen, die den Tag des Jüngsten Gerichts ankündigen. Gryphius verwendet dabei starke Bilder und Metaphern, um die Furcht und das Grauen zu vermitteln, die mit diesem Ereignis verbunden sind. Das Gedicht beginnt mit einer Aufforderung an die Völker, die "schweren Wunder-Zeichen" zu betrachten. Gryphius beschreibt, wie das Firmament bricht und die Himmelskörper ihre normale Erscheinung verändern. Der Mond steht in Blut, die Sterne verlieren ihr Licht und die Sonne erbleicht am Tag. Diese Zeichen deuten auf eine bevorstehende Katastrophe hin, die die gesamte Schöpfung erschüttern wird. Gryphius malt ein Bild der Natur, die aus den Fugen gerät: Die See will über die Berge reichen, die Winde toben und die Felsen weichen. Die Menschen sind von Angst erfüllt und wissen nicht, was sie sagen sollen. Die Berge und Täler zittern, und der Dichter ruft den Herrn der Herrlichkeit an, der sich in Feuer bereit macht, die Welt zu richten. In den letzten Strophen wendet sich Gryphius direkt an Gott und bittet um Hilfe, dass sein Herz nicht durch Sünden belastet wird. Er bittet den Herrn, ihn zu wecken, wenn Sorglosigkeit und Sicherheit ihn übermannen, damit er nicht vom Donnerstrahl des letzten Tages verzehrt wird. Das Gedicht endet mit einem eindringlichen Appell an die Gnade Gottes angesichts des bevorstehenden Gerichts.

Schlüsselwörter

schau vnd grosse tag herr welt völcker schweren

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schau′t schau′t ihr Völcker schau′t/ die schweren Wunder-Zeichen!
Anapher
Der du in Feur′ die Welt zu richten dich bereit
Apostrophe
O Herr der Herrligkeit
Bildsprache
Die rauen Felsen weichen. Auch zittert Berg′ vnd Thal
Hyperbel
Ein ieder Mensch verschmacht/ vnd weiß nicht was er spricht
Metapher
Das grosse Firmament/ der Himmel Krafft zubricht
Personifikation
Die auffgeschwellte See wil über Berge reichen
Vokativ
Hilff/ daß ich ja mein Hertz mit Sünden nicht beschwere!