Auff den Nahmenstag Ihrer Vielgeehrten Freundin B. G.
1637Du Licht der gantzen Welt / Ey Sonne sey gebeten / Ein wenig still zu stehn / undt nicht so schnell zu treten Des hohen Himmels Bahn! Ihr Stunden eilt so nicht! Ey Luna schlaff doch lang / undt laß uns Phebus Licht! Der Tagk sey noch so lang! Ihr güldnen Himmels Noten / Ihr Sternen / die ihr seit der schwartzen Nacht Vorbotten / Brecht nicht so balt herfür / last meiner Leyer Zeit / Das sie besingen mag / was man besinget heut! Ey / ey / was wil ich thun? Diana wil schon wachen / Apollo will den Kreiß der Erden Taglooß machen / Und eilt zur ruh ins Mähr; drüm / Freundin / nemt doch an Was in der Eilenflucht ich itzt erdencken kan. Was liegt mir im Gehirn / das ich so gar vergessen Mein heutiges Gebüer? Ich kan es kaum ermessen / Was mich verhindert hat; Ihr Geister kompt zu hauß / Hier felt was nötigs für / komt / komt / und fliegt nicht auß! Ey Clio hastu noch den Bandt nicht voll gewunden / Da meine Freundin mit soll werden angebunden? Gib her / es ist zwar schlecht / doch die ihn haben soll / Gibt nicht auff stoltzen Pral / undt ist der Demuth voll. Ey Feder bistu stumpf / undt ist die Dint zu dicke! Verstöre mich doch nicht / damit ich mich noch schicke In die so schnelle Zeit! Jung geh / steck an das Licht / Undt bring mein Pittschaft her / das dient vor frembt gesicht. Lauf fort / das ist der Briff / wündsch ihr viel guts darneben / Und das sie diesen Tag mag tausendt mahl erleben / In Fried und Fröligkeit / geh / geh / undt seum dich nicht / Schau / wie der Abendstern schon durch die Wolcken bricht.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Auff den Nahmenstag Ihrer Vielgeehrten Freundin B. G." von Sibylla Schwarz ist ein Gedicht, das die Autorin ihrer Freundin B. G. zum Namenstag widmet. Es beginnt mit einer Anrede an die Sonne, die gebeten wird, stillzustehen und nicht so schnell ihren Weg über den Himmel zu gehen. Die Autorin wünscht sich, dass der Tag länger dauert, damit sie genügend Zeit hat, ein passendes Geschenk für ihre Freundin zu finden. In den folgenden Strophen drückt die Autorin ihre Verzweiflung darüber aus, dass ihr keine passenden Worte oder Geschenke einfallen. Sie bittet die Musen und Geister um Hilfe und Inspiration. Die Autorin beschreibt ihre eigene Unfähigkeit, etwas Angemessenes zu finden, und bittet ihre Feder, ihr zu helfen, bevor die Zeit vergeht. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass die Freundin den Tag in Frieden und Freude verbringen möge und dass sie diesen Tag tausendmal erleben möge. Die Autorin beschreibt auch den Abendstern, der durch die Wolken bricht, was auf das Ende des Tages und den Beginn der Nacht hindeutet. Insgesamt ist das Gedicht ein Ausdruck der Zuneigung und des Wunsches der Autorin, ihrer Freundin zum Namenstag eine Freude zu machen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ey / ey / was wil ich thun?
- Apostrophe
- Du Licht der gantzen Welt / Ey Sonne sey gebeten
- Bildsprache
- Schau, wie der Abendstern schon durch die Wolcken bricht.
- Hyperbel
- daß sie besingen mag, was man besinget heut!
- Imperativ
- Lauf fort / das ist der Briff
- Metapher
- Ihr güldnen Himmels Noten
- Metonymie
- Gib her / es ist zwar schlecht / doch die ihn haben soll
- Personifikation
- Ihr Stunden eilt so nicht!
- Rhetorische Frage
- Ey Clio hastu noch den Bandt nicht voll gewunden?
- Synästhesie
- Jung geh, steck an das Licht