Auferstehung
unbekanntWenn einer starb, den du geliebt hienieden, So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, Daß ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.
Da fühlst du bald, daß jener, der geschieden, Lebendig dir im Herzen auferstehe; In Luft und Schatten spürst du seine Nähe, Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.
Ja, schöner muß der Tote dich begleiten, Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein, Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten.
Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten; Und was du ewig liebst, ist ewig dein.
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Interpretation
Das Gedicht "Auferstehung" von Emmanuel Geibel handelt von der Bewältigung des Verlustes eines geliebten Menschen. Es beschreibt den Prozess des Trauerns und die schließlich eintretende innere Heilung. Der lyrische Ich-Erzähler rät dazu, den Schmerz in der Einsamkeit der Natur zu verarbeiten, sei es im Wald, am Meer oder auf verlassenen Pfaden. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Wandlung des Schmerzes in eine Art tröstliche Gegenwart beschrieben. Der Verstorbene scheint im Herzen des Trauernden wieder zum Leben zu erweckt zu werden. Seine Nähe wird in der Umgebung spürbar, und aus den Tränen entsteht ein tiefer Frieden. Diese Phase symbolisiert die innere Auferstehung des Verstorbenen im Herzen des Hinterbliebenen. Der letzte Teil des Gedichts betont die positive Veränderung, die der Verlust bewirkt. Der Tote begleitet den Trauernden nun auf eine schönere und treuere Weise als zuvor. Das Herz erfährt seine eigene Ostern, bei der der Stein vom Grab rollt und der Staub beiseite gelegt wird. Die abschließende Zeile verdeutlicht, dass die ewige Liebe das Band zwischen den Lebenden und den Toten unzerstörbar macht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Daß ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden
- Hyperbel
- Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten
- Metapher
- Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten
- Personifikation
- In Luft und Schatten spürst du seine Nähe
- Symbolik
- Und was du ewig liebst, ist ewig dein