Aufbruch der Jugend

Ernst Wilhelm Lotz

1913

Die flammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen, Wolken, dunkel gebogen, und Häuser, zerschnitten von Licht. - Müdigkeiten, die aus verwüsteten Nächten über uns kamen, Köstlich gepflegte, verwelkten wie Blumen, die man sich bricht.

Also zu neuen Tagen erstarkt, wir spannen die Arme, Unbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut, Wie Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme, Wenn hoch und erwartet der Tag überm Osten blaut.

Grell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen, Ein Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt, Wie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen Und spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt.

Wir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten, Vermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf, Wir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten Und stoßen die Tore verruchter Gefängnisse auf.

Nun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken, Wir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft, Von roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken Und türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft. -

Beglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten, Von jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt, Aus unsern Stirnen springen leuchtende neue Welten: Erfüllung und Künftiges, Tage, Sturm-überflaggt!

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Illustration zu Aufbruch der Jugend

Interpretation

Das Gedicht "Aufbruch der Jugend" von Ernst Wilhelm Lotz ist ein kraftvolles und leidenschaftliches Werk, das den revolutionären Geist und die Aufbruchsstimmung der Jugend im frühen 20. Jahrhundert einfängt. Es beschreibt die Erneuerung und den Aufbruch einer jungen Generation, die sich von der Müdigkeit und Stagnation der Vergangenheit befreit und sich neuen, unbekannten Herausforderungen stellt. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der sommerlichen Natur, die als Metapher für die Erneuerung und den Neubeginn dient. Die "flammenden Gärten des Sommers" und die "Wolken, dunkel gebogen" symbolisieren die Leidenschaft und die Unruhe der Jugendlichen, die sich auf den Weg machen. Die "Müdigkeiten", die aus "verwüsteten Nächten" kommen, werden wie welke Blumen beiseite geworfen, um Platz für neue Energie und Tatendrang zu schaffen. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die revolutionäre Stimmung immer deutlicher. Die Jugendlichen werden als eine Armee beschrieben, die sich bereit macht, die alten Strukturen zu stürzen und eine neue Welt zu schaffen. Die "Fahnen" wehen grell, und die Jugendlichen haben sich "hässig entschlossen", ihre Kräfte in die Straßen der Städte zu ergießen und die "Trümmer zerborstener Welt" hinwegzufegen. Sie fegen die "Macht" und stürzen die "Throne der Alten", um Platz für eine neue, gerechtere Ordnung zu schaffen. Das Gedicht endet mit einer Vision von einer glorreichen Zukunft, in der die Jugendlichen als "verheißne Erhellte" auftreten, gekrönt von "jungen Messiaskronen". Aus ihren Stirnen springen "leuchtende neue Welten", die von "Erfüllung und Künftigem" erfüllt sind. Das Gedicht ist ein Aufruf zum Aufbruch und zur Veränderung, der die Leser dazu aufruft, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und eine bessere Welt zu schaffen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Erfüllung und Künftiges, Tage, Sturm-überflaggt
Personifikation
Winde, tief und voll Samen