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Aufblick

Von

Über unsre Liebe hängt
eine tiefe Trauerweide.
Nacht und Schatten um uns beide.
Unsre Stirnen sind gesenkt.

Wortlos sitzen wir im Dunkeln.
Einstmals rauschte hier ein Strom,
einstmals sahn wir Sterne funkeln.

Ist denn Alles tot und trübe?
Horch -: ein ferner Mund -: vom Dom –

Glockenchöre … Nacht … Und Liebe …

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Gedicht: Aufblick von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Aufblick“ von Richard Dehmel fängt die Atmosphäre einer tiefen Traurigkeit und der Stille innerhalb einer Liebesbeziehung ein. Die Eröffnungszeilen etablieren sofort eine bedrückende Stimmung, indem sie eine „tiefe Trauerweide“ als Metapher über die Liebenden platzieren. Diese Metapher deutet auf eine schwere Last, eine tiefe Melancholie hin, die die Liebe überschattet, wodurch die Leser in eine Welt der Dunkelheit und des Leids eingeführt werden, die durch „Nacht und Schatten“ verstärkt wird. Das Senken der Stirnen symbolisiert Resignation, Trauer und den Verlust von Hoffnung, wodurch ein Bild der Niedergeschlagenheit und des Kummers geschaffen wird.

In der zweiten Strophe wird die Stille und der Mangel an Kommunikation zwischen den Liebenden betont. Sie sitzen „wortlos im Dunkeln“, was auf eine tiefe Entfremdung und einen Verlust des Gesprächs hinweist, der einst die Beziehung auszeichnete. Die Erinnerung an die Vergangenheit, an den „Strom“ und die „Sterne“, die „funkeln“ (die mit Hoffnung und Lebendigkeit verbunden sind), verstärkt den Kontrast zur trostlosen Gegenwart. Diese Bilder der Vergangenheit stehen im scharfen Gegensatz zur trüben Gegenwart und unterstreichen den Verlust von Freude und Lebendigkeit, der die Beziehung befallen hat.

Die entscheidende Frage „Ist denn Alles tot und trübe?“ deutet auf ein Gefühl der Verzweiflung und den Verlust von Hoffnung hin. Doch dann folgt ein Hoffnungsschimmer. Das Geräusch „eines fernen Mundes – vom Dom“ – die Kirchenglocken – durchbricht die Stille und deutet auf eine Möglichkeit der Erlösung oder Trostes. Die Glocken läuten in der „Nacht“, verbinden aber auch die Liebe mit einem höheren, transzendenten Element.

Abschließend erzeugt Dehmel eine Atmosphäre aus Verzweiflung und Hoffnung. Der Kontrast zwischen der düsteren Gegenwart und den hellen Erinnerungen an die Vergangenheit, kombiniert mit dem leisen Hoffnungsschimmer der Kirchenglocken, verleiht dem Gedicht eine tiefe emotionale Wirkung. Die Verbindung von „Glockenchöre … Nacht … Und Liebe …“ suggeriert, dass selbst inmitten von Trauer und Dunkelheit noch ein Funke von Hoffnung und spiritueller Verbindung bestehen kann. Das Gedicht ist eine ergreifende Reflexion über die Komplexität von Liebe, Verlust und die Suche nach Sinn in Zeiten der Not.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.