Auf Mutterschoß
1904Betende Hände, Gottbetroffene Jungfrau, Flattern und Beben, Heiliges Lallen:
Mein Werk ist träg in der verdürstenden Geister Verdürstetem Greifen. Dunkelruhen! Gebären. Arbeit, Bang, groß, Seelen in hastender Arbeit. Alle halten zusammen und - haben nichts. Qualen die furchtbar sind. Unerhörte Worte Unerhörter Dinge. Und es sollen Frühlinge sein, Und - Trauer ist Jubel. Ein Brausen in lichtentschmetterndem Ringe. Und fern, wie sehr, An goldbraunen, reifen, jubelnd roten, blühenden Wangen. Starkes Gekicher. Tänze gell wie Sonnenlohen. Tamburin, wirbelnd Wie goldumzügelte Blumen der Sonne.
Schlummre, Frühling, Im Dunkel einer Trauer, Und wie ein Kind Sprießt du immerzu Violette Blumen des ersehnten Herbstes In vergessen geschlossener Hand.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Auf Mutterschoß" von Peter Hille ist ein tiefgründiges und komplexes Werk, das die Themen Schöpfung, Arbeit, Schmerz und Hoffnung miteinander verwebt. Es beginnt mit einer sakralen Stimmung, die durch die "betenden Hände" und die "Gottbetroffene Jungfrau" erzeugt wird, was auf eine religiöse oder spirituelle Dimension hindeutet. Die "heiligen Lallen" und das "flattern und beben" könnten die Unsicherheit und das Zittern vor dem Göttlichen ausdrücken. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Mühsal und das Ringen um Schöpfung dargestellt. Die "träge Arbeit" und das "verdurstende Greifen" vermitteln ein Gefühl von Anstrengung und Durst nach Erfüllung. Die "Seelen in hastender Arbeit" und die "Qualen, die furchtbar sind", unterstreichen die Intensität und den Schmerz, der mit dem Schaffensprozess einhergeht. Doch trotz der Schwierigkeiten und des Mangels gibt es einen Funken Hoffnung, der in den "unerhörten Worten und Dingen" zum Ausdruck kommt. Im letzten Teil des Gedichts findet eine Transformation statt. Die Trauer wird zum Jubel, und ein "Brausen in lichtentschmetterndem Ringe" symbolisiert eine Art Erleuchtung oder Erhebung. Die Bilder von "goldbraunen, reifen, jubelnd roten, blühenden Wangen" und dem "starken Gekicher" vermitteln eine Atmosphäre von Freude und Lebendigkeit. Das Gedicht endet mit einer Vision des Frühlings, der im Dunkel der Trauer schlummert und wie ein Kind "violette Blumen des ersehnten Herbstes" in einer "vergessen geschlossenen Hand" sprießen lässt. Dies könnte als Metapher für die zyklische Natur des Lebens und die beständige Hoffnung auf Erneuerung und Wachstum interpretiert werden, selbst in den dunkelsten Zeiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Seelen in hastender Arbeit
- Bildsprache
- Ein Brausen in lichtentschmetterndem Ringe
- Hyperbel
- Qualen die furchtbar sind
- Kontrast
- Und es sollen Frühlinge sein, Und - Trauer ist Jubel
- Metapher
- wie ein Kind Sprießt du immerzu Violette Blumen des ersehnten Herbstes In vergessen geschlossener Hand
- Onomatopoesie
- Tänze gell wie Sonnenlohen
- Personifikation
- Dunkelruhen! Gebären. Arbeit, Bang, groß
- Vergleich
- Tamburin, wirbelnd Wie goldumzügelte Blumen der Sonne