Auf meines Kindes Tod (2)
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Was ist mir denn so wehe? Es liegt ja wie im Traum Der Grund schon, wo ich stehe, Die Wälder säuseln kaum
Noch von der dunklen Höhe. Es komme wie es will, Was ist mir denn so wehe - Wie bald wird alles still.
2
Das ists, was mich ganz verstöret: Daß die Nacht nicht Ruhe hält, Wenn zu atmen aufgehöret Lange schon die müde Welt.
Daß die Glocken, die da schlagen, Und im Wald der leise Wind Jede Nacht von neuem klagen Um mein liebes, süßes Kind.
Daß mein Herz nicht konnte brechen Bei dem letzten Todeskuß, Daß ich wie im Wahnsinn sprechen Nun in irren Liedern muß.
3
Von fern die Uhren schlagen, Es ist schon tiefe Nacht, Die Lampe brennt so düster, Dein Bettlein ist gemacht.
Die Winde nur noch gehen Wehklagend um das Haus, Wir sitzen einsam drinnen Und lauschen oft hinaus.
Es ist, als müßtest leise Du klopfen an die Tür, Du hättst dich nur verirret, Und kämst nun müd zurück.
Wir armen, armen Toren! Wir irren ja im Graus Des Dunkels noch verloren - Du fandst dich längst nach Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf meines Kindes Tod (2)" von Joseph von Eichendorff handelt von der tiefen Trauer und Verzweiflung eines Elternteils über den Verlust seines Kindes. Der Sprecher versucht, die eigene Trauer zu verstehen und zu verarbeiten, indem er die Umgebung und die Natur beobachtet. Die Natur wird als gleichgültig und still dargestellt, was die Einsamkeit und Verlassenheit des Sprechers noch verstärkt. In der zweiten Strophe wird die Ursache der Verzweiflung des Sprechers deutlich: Die Nacht bringt keine Ruhe, sondern verstärkt die Trauer, da die Glocken und der Wind jede Nacht aufs Neue um das verlorene Kind klagen. Der Sprecher fühlt sich schuldig, weil er bei dem letzten Kuss nicht in der Lage war, sein Herz brechen zu lassen, und nun gezwungen ist, in wahnsinnigen Liedern zu sprechen. Die dritte Strophe beschreibt die tiefe Nacht, in der der Sprecher und sein Partner einsam zusammen sitzen und auf das Kind warten, das nie zurückkehren wird. Die Hoffnung, dass das Kind nur verirrt sei und müde zurückkehren könnte, wird als Täuschung entlarvt. Die Eltern erkennen, dass sie selbst im Dunkel der Trauer verloren sind, während das Kind bereits nach Hause gefunden hat – im Tod.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Daß die Nacht nicht Ruhe hält, / Daß die Glocken, die da schlagen
- Bildsprache
- Die Lampe brennt so düster
- Hyperbel
- Daß mein Herz nicht konnte brechen
- Metapher
- Es liegt ja wie im Traum / Der Grund schon, wo ich stehe
- Personifikation
- Die Wälder säuseln
- Rhetorische Frage
- Was ist mir denn so wehe?
- Symbolik
- Die Winde nur noch gehen / Wehklagend um das Haus
- Vergleich
- Wie bald wird alles still